Familien im Asylverfahren

Rechtlich gesehen besteht eine Familie im Wesentlichen aus den Eltern und ihren minderjährigen Kindern. Jedes Familienmitglied geniesst im Asylverfahren besonderen Schutz. Davon ausgeschlossen sind Grosseltern, Geschwister der Eltern und alle weiteren Angehörige, welche die Familie im weiteren Sinne ausmachen.

Vulnerabilität

Im allgemeinen Sprachgebrauch umfasst der Begriff ¬ęFamilie¬Ľ den Vater und die Mutter, die vollj√§hrigen und minderj√§hrigen Kinder, Grosseltern, Geschwister, Onkel und Tanten, h√§ufig auch Cousins und Cousinen sowie Neffen und Nichten. Migrationsrechtliche Regeln definieren die Familie oft als ¬ęKernfamilie¬Ľ. Zu diesem Kern geh√∂ren nur das erwachsene Ehepaar und seine minderj√§hrigen Kinder.

So kommt es h√§ufig vor, dass Familien ‚Äď im weiteren Sinne ‚Äď w√§hrend des Asylverfahrens getrennt werden und/oder nicht in der Schweiz bleiben d√ľrfen. Die Trennung und die permanente Sorge um das Schicksal der Angeh√∂rigen, die in der Heimat zur√ľckgelassen wurden oder in einen anderen Staat geschickt werden, sind belastend und behindern die Integration der Personen, die sich in der Schweiz aufhalten d√ľrfen.

Rechtlicher Rahmen

Einige Rechtsinstrumente tragen der besonderen Situation der Familien im Asylverfahren Rechnung.

International

Europa

National

Praxis der Schweizer Behörden

Die Praxis der Schweizer Behörden ist in vielerlei Hinsicht problematisch.

Familienzusammenf√ľhrung

Wenn ein Elternteil, Vater oder Mutter, alleine ein Asylgesuch in der Schweiz stellt und einen Schutzstatus erh√§lt, kann er oder sie je nach Rechtsstatus einen Antrag auf Familienzusammenf√ľhrung stellen. Die Kriterien f√ľr eine Familienzusammenf√ľhrung sind in der Schweiz streng; eine schnelle und effiziente Wiedervereinigung der Familie ist oftmals nicht m√∂glich. F√ľr Personen, die vorl√§ufig aufgenommen sind (Ausweis F), ist die Familienzusammenf√ľhrung beispielsweise fr√ľhestens drei Jahre nach Gew√§hrung der vorl√§ufigen Aufnahme m√∂glich, allerdings muss die gesuchstellende Person √ľber eine geeignete Wohnung verf√ľgen und darf nicht von der Sozialhilfe abh√§ngig sein (Art. 85 Abs. 7 AIG).

Kindeswohl als ausschlaggebendes Kriterium

Wenn eine Familie gemeinsam in die Schweiz einreist und minderj√§hrige Kinder hat, wird nur selten das Kindeswohl eigenst√§ndig und unabh√§ngig vom Wohl der Eltern ber√ľcksichtigt, auch wenn die internationalen Richtlinien dies vorschreiben.

Unterbringung von Familien

Die Unterbringung von Familien in den Bundeszentren und kantonalen Wohnheimen ist nicht immer angemessen.

Trennung von Familien

Zuweilen kommt es vor, dass Mitglieder der Familie im weiteren Sinne bei der Zuweisung in einen Kanton getrennt werden. So kann beispielsweise ein junger Mann (20 Jahre) im Kanton Waadt leben, w√§hrend sein 17-j√§hriger Bruder in Graub√ľnden untergebracht ist. Es kommt vor, dass einige Mitglieder der Familie in ihrem Heimatland oder einem Drittland bleiben. M√∂glich ist auch, dass die Familienmitglieder w√§hrend ihrer Flucht getrennt werden, sodass verschiedene Staaten des Dublin-Systems f√ľr ihre Asylgesuche zust√§ndig sind. Die Zusammenf√ľhrung kann mehrere Jahre dauern und ist nicht immer m√∂glich, falls die strengen Kriterien f√ľr ein humanit√§res Visum oder f√ľr eine Familienzusammenf√ľhrung ‚Äď basierend auf der Dublin-Verordnung ‚Äď nicht erf√ľllt sind.

Wegweisung von Familien

Der Grundsatz der Verh√§ltnism√§ssigkeit und das Kindeswohl als ausschlaggebendes Kriterium m√ľssen stets ber√ľcksichtigt sein, wenn Familien weggewiesen werden. Mitunter kommt es vor, dass Ehepaare und Familien bei der Ausschaffung auf Grundlage der Dublin-Verordnung getrennt werden. Zudem k√∂nnen Transfers auch stufenweise erfolgen.

Was wir fordern

  • Familienzusammenf√ľhrung: Wir fordern die Beseitigung wesentlicher Hindernisse f√ľr die Familienzusammenf√ľhrung in der Schweiz, insbesondere f√ľr vorl√§ufig aufgenommene Personen. Die Wartefrist von drei Jahren sowie die finanziellen Voraussetzungen f√ľr vorl√§ufig aufgenommene Personen m√ľssen abgeschafft werden.
  • Ausschaffung: Wir fordern, dass der Grundsatz der Verh√§ltnism√§ssigkeit und das Kindeswohl als ausschlaggebendes Kriterium stets Ber√ľcksichtigung finden, wenn Familien weggewiesen werden. Die Familie darf bei einer Ausschaffung nicht getrennt  werden.
  • Familienbegriff: Wir fordern, dass der Begriff ¬ęFamilie¬Ľ erweitert wird, sodass anerkannte oder vorl√§ufig aufgenommene Gefl√ľchtete wieder in v√∂lliger Sicherheit mit ihren Eltern, Grosseltern, Geschwistern und Enkeln in der Schweiz leben k√∂nnen oder zumindest mit den Personen, zu denen sie eine enge Beziehung haben.