Opfer von Menschenhandel

Opfer von Menschenhandel befinden sich aus verschiedensten Gr├╝nden in Asylverfahren. Das spezifische Schutzbed├╝rfnis ist jedoch allen gemeinsam. Die SFH setzt sich daf├╝r ein, dass Menschenhandelsopfer im Asylverfahren eindeutig identifiziert, unterst├╝tzt und gesch├╝tzt werden.

Vulnerabilit├Ąt

Menschenhandel ist eine moderne Form der Sklaverei. Die Ausbeutung ist dabei das zentrale Motiv und kann verschiedene Formen annehmen, beispielsweise sexuelle Ausbeutung, Zwangsarbeit, Bettelei, Leibeigenschaft, Organentnahme oder -handel. Oft werden Opfer gezwungen, Verbrechen zu begehen.

Die T├Ąterinnen und T├Ąter wenden Gewalt an und setzen Bedrohung, T├Ąuschung oder N├Âtigung ein, um Druck auf ihre Opfer auszu├╝ben und sie gef├╝gig zu machen; so ziehen sie einen finanziellen Nutzen aus deren Ausbeutung ÔÇô gegen den Willen der Opfer. Frauen, Kinder und M├Ąnner, die dieses Schicksal erleiden, stellen daher eine besonders verletzliche Personengruppe dar.

Praxis der Schweizer Beh├Ârden

Im Rahmen der Asylverfahren st├╝tzen sich die Schweizer Beh├Ârden bei der Bearbeitung von Asylgesuchen auf das Handbuch Asyl und R├╝ckf├╝hrung. Die Praxis der Schweizer Beh├Ârden ist besonders beim Schutz der Menschenhandelsopfer und bei der Pr├Ąvention sowie der Sensibilisierung der am Asylverfahren beteiligten Akteure problematisch:

Glaubw├╝rdigkeit des Vorbringens

Nicht selten zweifeln die Beh├Ârden am Wahrheitsgehalt der Ausf├╝hrungen von Personen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind. Diese sind h├Ąufig stark traumatisiert, sehen sich selbst nicht als Opfer oder haben Angst vor Repressalien ihrer Peinigerinnen oder Peiniger. Es f├Ąllt ihnen daher schwer, ihre Ausf├╝hrungen glaubhaft vorzubringen. Auch kommt es vor, dass sie erfundene und stereotype Geschichten der Kriminellen, die sie ausbeuten, weitergeben, damit sie legal im Staatsgebiet bleiben k├Ânnen. K├Ânnen sie die Gr├╝nde, die sie zur Flucht bewegt haben, nicht glaubw├╝rdig vorbringen, wird ihr Asylgesuch abgelehnt.

Unzul├Ąnglichkeiten bei der Anerkennung und Identifizierung betroffener Personen

Wenngleich Fortschritte in diesem Bereich erzielt wurden, fehlt noch immer ein systematisches und proaktives Verfahren f├╝r die Identifizierung potenzieller Menschenhandelsopfer. Damit diese Mechanismen Wirkung entfalten, ist eine zus├Ątzliche Sensibilisierung und Weiterbildung der verschiedenen Akteure notwendig, die Kontakt zu potenziellen Opfern haben.

Ungen├╝gende Unterst├╝tzung w├Ąhrend des Verfahrens

Verantwortlichkeiten und eindeutig festgelegte Prozesse sind hier ebenso erforderlich wie eine Zusammenarbeit mit den spezialisierten Organisationen der Opferhilfe sowie den verschiedenen Akteuren im Asylbereich.

Sichere Unterbringung

Die Zentren f├╝r Asylbewerber k├Ânnen nicht immer den Schutz bieten, den die Opfer von Menschenhandel ben├Âtigen. In solchen F├Ąllen w├Ąre eine Unterbringung in speziellen Zentren angemessen.

Praxis bei der Beurteilung der Asylgesuche

Menschenhandel kann bei der Beurteilung der Asylgesuche ein relevanter Aspekt sein. Die aktuelle Praxis der Beh├Ârden erkennt dies jedoch kaum an und bezieht sich nur auf die sexuelle Ausbeutung als Form von Menschenhandel. Sie l├Ąsst damit die Identifizierung und Untersuchung anderer m├Âglicher Formen des Handels wie zum Beispiel die Ausbeutung von Arbeitskr├Ąften oder den Organhandel ausser Acht. M├Ąnner sind davon h├Ąufiger ausgenommen, da sie kaum als Opfer eingesch├Ątzt werden.

Was wir fordern

  • Die regelm├Ąssige Fortbildung aller am Asylverfahren beteiligten Akteure und die Erh├Âhung der Ressourcen, um die Aufdeckung und Identifizierung der Opfer von Menschenhandel und ihrer besonderen Bed├╝rfnisse zu verbessern.
  • Die Abkl├Ąrung der Prozesse und Verantwortlichkeiten nach Aufsp├╝ren eines Opfers von Menschenhandel. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren des Asylverfahrens muss systematisch erfolgen und muss die spezialisierten Organisationen der Opferhilfe einbeziehen.
  • Die Erf├╝llung der beh├Ârdlichen Pflichten f├╝r den Schutz der Menschenhandelsopfer, insbesondere:
  1. Sicherstellung einer geeigneten und sicheren Unterbringung;
  2. medizinische und psychologische Unterst├╝tzung;
  3. Sicherstellung von Dolmetschleistungen;
  4. ├ťbermittlung von Ratschl├Ągen und vollst├Ąndigen Informationen.