Afghanistan

Afghanistan

In Afghanistan dauert der bewaffnete Konflikt weiter an, und die Sicherheitslage bleibt im ganzen Land kritisch. Trotzdem halten die schweizerischen Behörden Wegweisungen von afghanischen Asylsuchenden unter bestimmten Bedingungen für zumutbar. Die SFH erachtet diese Praxis als unhaltbar.

FluchtgrĂĽnde

Der seit 18 Jahren andauernde Krieg sowie Menschenrechtsverletzungen sind die wichtigsten Fluchtgründe für afghanische Asylsuchende. Die Kämpfe, Gewaltakte und Menschenrechtsverletzungen werden von verschiedenen Akteuren begangen, unter anderem von bewaffneten Oppositionsgruppen wie den Taliban und dem «Islamischen Staat» (IS/Daesh), lokalen Milizen, kriminellen Gruppierungen sowie afghanischen und ausländischen Sicherheitskräften. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat der bewaffnete Konflikt zwischen 2009 und 2018 mehr als 32’000 Afghaninnen und Afghanen das Leben gekostet, fast 60’000 weitere Personen wurden verletzt. Der Staat kann seine Zivilbevölkerung nicht schützen, weder gegen die verheerenden Auswirkungen der Kämpfe, noch gegen Menschenrechtsverletzungen, einschliesslich geschlechtsspezifischer Verfolgung sowie Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung oder religiösen Zugehörigkeit.

Asylgesuche in der Schweiz

Seit mehreren Jahren gehört Afghanistan zu den wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden in der Schweiz. Im Jahr 2019 stammten von den insgesamt 14’269 Asylgesuchen in der Schweiz 1’397 Gesuche von Afghaninnen und Afghanen. 2018 waren es 1’186 von insgesamt 15’255 Gesuchen und 2017 1’217 von insgesamt 18’088 Gesuchen.

Im Jahr 2018 war Afghanistan auch eines der wichtigsten Herkunftsländer fĂĽr Asylsuchende in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). 

Praxis der Schweizer Behörden

Die Schweizerischen Behörden halten eine Rückkehr von afghanischen Asylsuchenden in die Städte Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif für zumutbar, sofern sie dort über ein soziales oder familiäres Netzwerk verfügen.

Diese Praxis ist angesichts der Realität vor Ort unhaltbar.

Schutzstatus

In mehreren europäischen Ländern sowie auch in der Schweiz gilt ein Bürgerkrieg nicht als Asylgrund, da es sich nicht um eine zielgerichtete Verfolgung handelt (Art. 3 AsylG). Personen, die durch einen bewaffneten Konflikt vertrieben werden, erhalten deshalb normalerweise eine vorläufige Aufnahme (F-Ausweis). Das trifft auch auf die meisten afghanischen Asylsuchenden zu.

Im Jahr 2019 wurden insgesamt 2’150 Fälle von Afghaninnen und Afghanen entschieden: 374 erhielten Asyl, 1’374 eine vorläufige Aufnahme. Die verbleibenden Asylgesuche wurden zumeist mit einen Dublin-Nichteintretensentscheid entschieden, was bedeutet, dass ein anderer Staat im Schengen-Dublin-Raum fĂĽr das Gesuch zuständig ist.