Afghanistan: neuste Entwicklungen

22. November 2021

Nach der MachtĂŒbernahme der Taliban ist die Lage in Afghanistan nach wie vor unĂŒbersichtlich. Es gibt zahlreiche Meldungen zu Menschenrechtsverletzungen. Erfahren Sie hier mehr zu den neusten Entwicklungen.

28.11.2021: SRF berichtet, dass sich der amtierende Taliban-Regierungschef Mullah Mohammed Hassan Achund am 27. November in einer Audiobotschaft erstmals an die Menschen Afghanistans wandte. Darin habe er betont, dass die Taliban ihre Versprechen erfĂŒllt hĂ€tten, indem sie ihren Kampf gegen auslĂ€ndische KrĂ€fte bis zur Einsetzung einer islamischen Regierung und der Stabilisierung des Landes fortsetzten. Er behauptete, Hungersnöte, Arbeitslosigkeit und Preissteigerungen seien bereits vor der MachtĂŒbernahme durch die Taliban ein Problem gewesen. Seiner Ansicht nach könnte die Wirtschaftskrise gelöst werden, wenn rund neun Milliarden Dollar der afghanischen Zentralbankreserven, die seit der MachtĂŒbernahme der Taliban blockiert sind, freigegeben wĂŒrden.

22.11.2021: GemĂ€ss dem Einsatzleitenden des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), der eben einen sechstĂ€gigen Besuch in Afghanistan abgeschlossen hat, ist die Situation im Land katastrophal und verschlechtert sich fortlaufend. Das IKRK beurteilt die aktuelle Situation als umso tragischer, als dass diese vermieden werden könnte, wenn sich die internationale Gemeinschaft dazu entschliessen wĂŒrde, sich vor Ort zu engagieren und humanitĂ€re Hilfe zu leisten. Dies, um einen Zusammenbruch der Grundversorgung, z.B. im Bereich Gesundheit und Bildung, zu vermeiden. Die wirtschaftlichen Sanktionen, welche sich gegen die Taliban richten, haben negative Auswirkungen auf Millionen von Afghaninnen und Afghanen, indem deren Zugang zu GĂŒtern des tĂ€glichen Bedarfs eingeschrĂ€nkt wird. Schon bevor der Winter beginnt, sieht sich das Land einer schweren ErnĂ€hrungskrise gegenĂŒber. Die allgemeine Situation der MangelernĂ€hrung wird zusĂ€tzlich verschĂ€rft durch eine DĂŒrre, schlechte Ernten und den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes. Die Kinder leiden dabei am meisten unter der aktuellen Situation.

GemĂ€ss einer Meldung der BBC hat die Taliban-Regierung eine Reihe von Weisungen an die afghanischen Fernsehsender erlassen. Konkret bestehen diese aus acht neuen Vorgaben, darunter dem Verbot fĂŒr Frauen, in Fernsehserien mitzuspielen, aber auch der Vorgabe an Journalistinnen und Moderatorinnen, bei Bildschirmauftritten ein Kopftuch zu tragen. GemĂ€ss dem Mitglied einer Organisation, welche die Interessen der afghanischen Journalisten vertritt, werden diese neuen Vorgaben die Arbeit der Journalisten weiter erschweren, ausserdem könnte es sein, dass verschiedene RadiokanĂ€le ihre TĂ€tigkeit einstellen mĂŒssen, wie die BBC weiter ausfĂŒhrt.

12.11.2021: UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore ist beunruhigt ĂŒber Berichte, wonach die Zahl der Verheiratungen von minderjĂ€hrigen MĂ€dchen in Afghanistan gestiegen seien. UNICEF schĂ€tzt, dass 28 Prozent der afghanischen Frauen zwischen 15 und 49 Jahren vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wurden. Die Situation der afghanischen Familien habe sich aufgrund der Wirtschaftskrise, der Pandemie und des Wintereinbruchs dramatisch verschlechtert. Einige der Ă€rmsten Familien seien so verzweifelt, dass sie ihre Kinder arbeiten liessen oder ihre Töchter schon in sehr jungen Jahren verheirateten. Das von den Taliban eingefĂŒhrte Schulverbot fĂŒr MĂ€dchen verschlimmere die Situation zunehmend und erhöhe das Risiko der FrĂŒhehen, so UNICEF.

10.11.2021: Der Afghanistan Experte Thomas Ruttig erlĂ€utert auf seinem Blog «Afghanistan Zhaghdablai – Thomas Ruttig ĂŒber Afghanistan» die Frage, ob die Taliban Schulbildung fĂŒr MĂ€dchen verboten haben. Er erklĂ€rt, dass dies insgesamt verneint werden könne. Die Taliban hĂ€tten diesbezĂŒglich noch keine offiziellen politischen Richtlinien veröffentlicht, es gebe jedoch widersprĂŒchliche Aussagen einzelner Talibanvertreter. Taliban-Machthaber in verschiedenen Provinzen hĂ€tten diese unterschiedlich interpretiert; in manchen, aber nicht allen Provinzen als implizites Verbot.

Hier finden Sie die vollstĂ€ndige Dokumentation zur Entwicklung in Afghanistan ab dem 10.08.2021. 

Weitere Informationen

Rund um Afghanistan stellen sich im Moment viele Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit humanitĂ€ren Visa, Resettlement und FamilienzusammenfĂŒhrungen. Über untenstehenden Link finden Sie entsprechende Antworten.

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