Afghanistan: neuste Entwicklungen

12. September 2021

Nach der Macht├╝bernahme der Taliban ist die Lage in Afghanistan nach wie vor un├╝bersichtlich. Es gibt zahlreiche Meldungen zu Menschenrechtsverletzungen. Erfahren Sie hier mehr zu den neusten Entwicklungen.

13.09.21: Anl├Ąsslich der Er├Âffnung der 48. Session des UN-Menschenrechtsrats hat die UNO-Hochkommissarin f├╝r Menschenrechte, Michelle Bachelet, erkl├Ąrt, dass sie glaubhafte Informationen bez├╝glich der Ermordung von ehemaligen Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskr├Ąfte durch die Taliban erhalten habe. Ausserdem auch Informationen ├╝ber willk├╝rliche Verhaftungen von Mitgliedern der ehemaligen Administration sowie derer Familienmitglieder. Auch w├╝rden die Taliban von Haus zu Haus gehen auf der Suche nach ehemaligen Funktion├Ąren und Personen, welche mit den Sicherheitskr├Ąften und amerikanischen Unternehmen zusammengearbeitet haben.

Laut BBC haben die Taliban im umk├Ąmpften Panjshir-Tal mindestens 20 Zivilist*innen get├Âtet ┬Č darunter auch einen Ladenbesitzer, dem vorgeworfen wurde, dass er SIM-Karten an Widerstandsk├Ąmpfer verkauft habe. Seine Leiche, die Spuren von Folter trug, wurde ein paar Tage nach seinem Verschwinden vor seinem Haus deponiert.  

12.09.2021: Der Minister f├╝r Hochschulbildung der Taliban verk├╝ndet, dass Frauen und M├Ąnner an den Universit├Ąten voneinander getrennt unterrichtet werden sollen, so berichtet BBC. Die Frauen m├╝ssten sich zudem an eine neue Kleiderordnung halten und es werde ├╝berpr├╝ft, ob die unterrichteten F├Ącher nicht den ┬źislamischen, nationalen und historischen Werten┬╗ widersprechen. Die Geschlechtertrennung soll auch auf die Grund- und Sekundarstufe angewendet werden. 

09.09.2021: Nach Angaben der BBC wurden zwei afghanische Journalisten, die ├╝ber eine Demonstration von Frauen in Kabul berichteten, von den Taliban verhaftet, bedroht und mit Peitschen geschlagen, bevor sie nach ein paar Stunden wieder freigelassen wurden. Laut Zeugen seien in den letzten zwei Tagen mindestens 14 Journalisten verhaftet und wieder freigelassen worden.

08.09.2021: Laut dem Guardian haben die Taliban als Reaktion auf mehrere Proteste per Dekret jede Demonstration verboten, die nicht offiziell bewilligt wurde. Wer sich nicht an dieses Verbot halte, m├╝sse mit ┬źernsthaften rechtlichen Konsequenzen┬╗ rechnen.

Die Taliban verk├╝nden, dass Frauen keinen Sport mehr treiben d├╝rften. Der Guardian zitiert einen Taliban-Beamten, der das Aus├╝ben von Sport f├╝r eine Frau als nicht ┬źnotwendig┬╗ bezeichnet. Zudem w├╝rde sie damit riskieren, dass Teile ihres K├Ârpers entbl├Âsst werden.

Die Taliban haben nach ihrer Macht├╝bernahme in Kabul versprochen, eine ┬źinklusive┬╗ Regierung zu bilden. Getan haben sie nun gem├Ąss NZZ das Gegenteil. Die Zeitung beschreibt diese als eine Regierung der Sieger. Die Besiegten, Repr├Ąsentanten der alten afghanischen Regierung und Frauen sind ausgeschlossen.

Laut Guardian erw├Ągen die Taliban, die von den USA entwickelte digitale Identit├Ątstechnologie nutzen zu wollen, um Jagd auf Afghan*innen zu machen, die mit der internationalen Koalition zusammengearbeitet haben. Die Taliban haben inzwischen auch Zugang zu den digitalen Identifikationssystemen und -technologien, die mit internationaler Hilfe aufgebaut wurden.

25.8.2021: Der europ├Ąische Fl├╝chtlingsrat ECRE, zahlreiche NGOS und Diasporaorganisationen ver├Âffentlichen einen gemeinsamen Appell mit f├╝nf Kernforderungen zu Afghanistan. Der von der SFH mitunterzeichnete Appell fordert u.a. die Evakuierung besonders gef├Ąhrdeter Menschen und den raschen Zugang zu fairen Asylverfahren in Europa.

18.8.2021: Justizministerin Karin Keller-Sutter gibt an einer Pressekonferenz des Bundesrats bekannt, dass die Schweiz im Rahmen einer humanit├Ąren Aktion 40 lokale Mitarbeitende der DEZA und deren Kernfamilien, insgesamt 230 Personen, aufnehmen wird. 

  • Die SFH begr├╝sst den Entscheid des Bundesrates, h├Ąlt aber die Aufnahme von 230 Personen f├╝r unzureichend! Lesen Sie dazu unsere Medienmitteilung.

Weitere Informationen

Rund um Afghanistan stellen sich im Moment viele Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit humanit├Ąren Visa, Resettlement und Familienzusammenf├╝hrungen. ├ťber untenstehenden Link finden Sie entsprechende Antworten.

Hier finden Sie die Position und Forderungen der SFH zur Situation in Afghanistan.

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