Afghanistan: neuste Entwicklungen

28. September 2022

Nach der MachtĂĽbernahme der Taliban ist die Lage in Afghanistan nach wie vor unĂĽbersichtlich. Es gibt zahlreiche Meldungen zu Menschenrechtsverletzungen. Erfahren Sie hier mehr zu den neusten Entwicklungen.

26.09.2022: ACPAS, ein Projekt in Genf, welches Analysen für humanitäre Organisationen erstellt, publizierte den halbjährlichen erscheinenden Bericht Afghanistan Risk Overview, der die grössten Risiken in Afghanistan aufzeigt, welche die humanitäre Situation in den nächsten sechs Monaten beeinflussen könnten. ACAPS geht davon aus, dass mit Beginn der Wintersaison die Lebensbedingungen der Afghan*innen schwieriger und die meisten Menschen weiterhin in hohem Masse auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden. Die Isolierung der Zentralbank, das Einfrieren von Auslandsguthaben, die Verhängung von Sanktionen und die Aussetzung der bilateralen Hilfe haben das Land in eine finanzielle und wirtschaftliche Krise gestürzt. Die Ernährungsunsicherheit habe zugenommen: 89 % der afghanischen Haushalte seien weiterhin von einem Mangel an Nahrungsmitteln betroffen. Dass die Taliban weiterhin Regierungsmitarbeiter durch unqualifiziertes Personal ersetzten, untergrabe die ohnehin schwache Regierungsführung. ACPAS geht auch auf die schlechte Menschenrechtsbilanz der Taliban und auf das harte Vorgehen der Taliban gegen Anti-Taliban Gruppen ein.

15.09.2022: Nach einer neuen Untersuchung zur Tötung von sechs Hazara in der Provinz Ghor macht Amnesty International darauf aufmerksam, dass Taliban im Juni 2022 bei einer nächtlichen Razzia auf der Suche nach einem ehemaligen Sicherheitsbeamten vier Männer festgenommen und unrechtmässig hingerichtet haben. Die Leiche von mindestens einem der Hingerichteten habe Folterspuren aufgewiesen. Auch eine Frau und ein 12-jähriges Mädchen seien bei der Razzia getötet worden. Laut Amnesty International weisen die anhaltende Tötungen durch die Taliban auf ein Muster von Angriffen auf ethnische Minderheiten und Mitglieder der ehemaligen Sicherheitskräfte hin.

15.09.2022: Der Afghanistan Experte Thomas Ruttig weist in seinem Blog Zhaghdablai auf die Fortsetzung der repressiven Massnahmen gegen Frauen und Frauenrechte hin. Die neue Anordnung, dass Frauen ohne männliche Begleitung nicht mehr öffentliche Gebäude betreten dürfen, scheint laut Ruttig landesweit umgesetzt zu werden. Andere Massnahmen sowie Übergriffe seien wohl lokaler Natur. Ruttig beschreibt unter anderem, dass in Kandahar Frauen nicht mehr alleine Läden betreten dürfen und in Bamian werden sie nach Hause geschickt, wenn sie nicht ausreichend verschleiert oder zu farbenfroh gekleidet sind. Des Weiteren geht das Taliban Justizministerium davon aus, dass Frauen zu wenig Kenntnis der Scharia haben und deshalb nicht in der Lage seien als Richterinnen tätig zu sein.

Hier finden Sie die vollständige Dokumentation zur Entwicklung in Afghanistan ab dem 10.08.2021. 

Weitere Informationen

Rund um Afghanistan stellen sich im Moment viele Fragen, insbesondere im Zusammenhang mit humanitären Visa, Resettlement und Familienzusammenführungen. Über untenstehenden Link finden Sie entsprechende Antworten.

Hier finden Sie die Position und Forderungen der SFH zur Situation in Afghanistan.

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