SFH r├Ąt von der ├ťberstellung psychisch Erkrankter nach Italien ab

17. Februar 2022

Die Situation f├╝r gefl├╝chtete Menschen in Italien ist in vielerlei Hinsicht problematisch, unter anderem auch der Zugang zu psychologischer Behandlung. In einem heute ver├Âffentlichten Bericht hat sich die Schweizerische Fl├╝chtlingshilfe (SFH) eingehender mit dem Thema befasst. Sie weist darin auf die L├╝cken im italienischen Aufnahmesystem hin und r├Ąt von der ├ťberstellung psychisch Erkrankter nach Italien ab.

Auf Grundlage des Dublin-Abkommens k├Ânnen Asylsuchende zur Pr├╝fung ihres Asylgesuchs aus der Schweiz nach Italien zur├╝ckgef├╝hrt werden. Personen, die bereits ├╝ber einen Fl├╝chtlingsstatus verf├╝gen, k├Ânnen auf der Grundlage bilateraler Abkommen ebenfalls aus der Schweiz nach Italien zur├╝ckgef├╝hrt werden, wenn der internationale Schutz durch Italien gew├Ąhrt wurde. Davon sind auch Schutzbed├╝rftige mit psychischen oder psychologischen Problemen nicht ausgenommen. Im Allgemeinen ist der Zugang zur Gesundheitsversorgung in Italien erschwert, wie die SFH in fr├╝heren Berichten bereits detailliert geschildert hat. Ein weiteres Problem ist das Fehlen geeigneter Unterbringungspl├Ątze f├╝r Personen mit besonderen Bed├╝rfnissen.

Aufgrund verschiedener Informationen ├╝ber den schwierigen Zugang zu psychologischen Behandlungen in Italien hat die SFH diese Thematik eingehend untersucht und heute dazu einen Bericht ver├Âffentlicht. Darin wird auf zahlreiche Hindernisse hingewiesen. So gibt es weder gen├╝gend spezialisierte Pl├Ątze f├╝r Personen mit schweren psychologischen Erkrankungen noch langfristige L├Âsungen f├╝r deren Behandlung. Sowohl innerhalb der italienischen Strukturen als auch beim Informationsaustausch zwischen der Schweiz und den italienischen Beh├Ârden fehlt es an Identifikationsmechanismen f├╝r vulnerable Personen, was dazu f├╝hren kann, dass die Bed├╝rfnisse gar nicht erst erkannt werden. Eine weitere H├╝rde stellt die Sprache dar, da medizinisches Personal oftmals nur Italienisch spricht. Die SFH r├Ąt aufgrund ihrer Erkenntnisse von Italien-├ťberstellungen von Personen, die auf eine psychologische oder psychiatrische Behandlung angewiesen sind, ab.

├ähnliche Position in Bezug auf ├ťberstellungen nach Kroatien

Die Situation in Kroatien ist kaum besser. Wie die SFH in einem im Dezember 2021 ver├Âffentlichten Bericht schilderte, haben Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus in Kroatien praktisch keinen Zugang zu psychologischer oder psychiatrischer Behandlung. Sie bleiben daher oft unbehandelt.

Die SFH r├Ąt daher davon ab, betroffene Personen nach Kroatien zu ├╝berstellen. Generell positioniert sich die SFH gegen die ├ťberstellung von Personen mit schweren psychischen Erkrankungen in andere Dublin- oder sichere Drittstaaten, wenn diese nicht im Interesse der betroffenen Person liegen. Die psychische Gesundheit sollte immer vorrangig beachtet werden.