Neuer Bericht: SFH r├Ąt von der ├ťberstellung von psychisch Erkrankten nach Kroatien ab

21. Dezember 2021

Die Schweizerische Fl├╝chtlingshilfe (SFH) hat den Zugang von besonders verletzlichen Asylsuchenden und Schutzberechtigten zu psychologischer und psychiatrischer Behandlung in Kroatien untersucht. Der heute publizierte Bericht zeigt auf, dass ├Ąrztliche Betreuung bei psychischen Leiden kaum verf├╝gbar ist. Die SFH r├Ąt deshalb von entsprechenden ├ťberstellungen nach Kroatien ab.

Die Situation gefl├╝chteter Menschen in Kroatien ist in vielerlei Hinsicht sehr problematisch. Was verschiedene Medien seit Monaten berichten, best├Ątigten inzwischen sowohl der Europ├Ąische Gerichtshof f├╝r Menschenrechte (EGMR) als auch der Europ├Ąische Ausschuss zur Verh├╝tung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT). Der Bericht des CPT dokumentiert ein erschreckendes Ausmass an Menschenrechtsverletzungen in Form von Push-Backs und Misshandlung von Gefl├╝chteten an der kroatischen Grenze. Der CPT hat die kroatischen Beh├Ârden dazu aufgerufen, die Misshandlungen zu stoppen und eine rasche Untersuchung der Vorf├Ąlle sicherzustellen. Die Vorf├Ąlle lassen Zweifel aufkommen, dass die generelle Annahme, Kroatien w├╝rde seinen v├Âlkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen, aufrechterhalten werden kann.

Aber auch innerhalb des Landes selbst pr├Ąsentiert sich die Situation f├╝r Gefl├╝chtete als sehr schwierig. Dies gilt insbesondere f├╝r besonders verletzliche Menschen mit psychischen Problemen. Trotzdem werden solche Schutzsuchenden nach Kroatien ├╝berstellt, auch von der Schweiz. Die SFH hat deshalb den Zugang zu psychologischer und psychiatrischer Behandlung in Kroatien untersucht und dazu einen Bericht publiziert.

Kaum Zugang zu langfristigen Therapien

Der Bericht der SFH zeigt auf, dass der Zugang zu Behandlung von psychischen Problemen in Kroatien selbst f├╝r Staatsangeh├Ârige schwierig ist. Umso mehr gilt dies f├╝r Personen, die der Landessprache nicht m├Ąchtig sind. Ihre Chancen auf eine stabile langfristige Behandlung sind minimal. L├╝cken bei der Krankenversicherung sowie der Mangel an ├ťbersetzenden sowohl im Asyl- und Migrationsbereich wie auch allgemein im Sozialwesen und in der Bildung f├╝hren dazu, dass die psychischen Probleme von Asylsuchenden und Schutzberechtigen in Kroatien oftmals unbehandelt bleiben. Die wenigen ├ťbersetzenden sind ├╝berlastet. Zus├Ątzlich fehlt es in Kroatien an Identifikationsmechanismen f├╝r vulnerable Personen, zu denen auch Personen mit psychischen Erkrankungen z├Ąhlen. In der Folge bleiben die Auswirkungen von Traumata und chronischem Stress auf die psychische Gesundheit von Gefl├╝chteten unerkannt und unbehandelt.

Wie der Bericht im Weiteren aufzeigt, ├╝berl├Ąsst der Staat s├Ąmtliche Unterst├╝tzung und Behandlungen von psychisch erkrankten Menschen gemeinn├╝tzigen Organisationen; er finanziert einige ihrer Aktivit├Ąten, leistet aber selbst keine Unterst├╝tzung.

Die SFH r├Ąt aufgrund ihrer Erkenntnisse von Kroatien-├ťberstellungen von Personen, die auf eine psychologische oder psychiatrische Behandlung angewiesen sind, ab.

Die psychische Gesundheit sollte immer vorrangig beachtet werden. Die SFH r├Ąt deshalb generell von der ├ťberstellung von Personen mit schweren psychischen Erkrankungen in andere Dublin- oder sichere Drittstaaten ab, wenn diese nicht im Interesse der betroffenen Person liegen.