Neue IZA-Strategie: Es braucht Partnerschaft statt Migrationsabwehr

20. September 2023

Der Bundesrat hat bis zum 20. September die Vernehmlassung fĂŒr die Strategie der internationalen Zusammenarbeit (IZA-Strategie 2025 - 28) durchgefĂŒhrt. Die immer stĂ€rkere Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit an sicherheits- und migrati-onspolitischen Interessen ist aus Sicht der Schweizerischen FlĂŒchtlingshilfe (SFH) problematisch. Vielmehr sollte der Bundesrat eine partnerschaftliche Migrationspolitik stĂ€rken.

Die vorliegende Botschaft legt die strategische Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit fĂŒr den Zeitraum 2025-28 fest. Diese umfasst Instrumente der humanitĂ€ren Hilfe, der Entwicklungszusammenarbeit, der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit sowie der Friedensförderung und der menschlichen Sicherheit. Die vier bisherigen ĂŒbergeordneten Ziele – menschliche Entwicklung, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Klima und Umwelt sowie Frieden und Gouvernanz – bleiben dabei bestehen. Neue Schwerpunkte werden in den Bereichen Demokratieförderung, Gesundheit, Migration, Privatsektor und Kampf gegen den Hunger gesetzt.

Die Schweizerische FlĂŒchtlingshilfe (SFH) stuft die Strategie in ihrer Stellungnahme als wichtiges aussenpolitisches Instrument der Schweiz ein und begrĂŒsst grundsĂ€tzlich deren WeiterfĂŒhrung sowie den neuen Fokus auf Gesundheit. Dabei ist der Zugang zur medizinischen Grundversorgung auch fĂŒr GeflĂŒchtete zu stĂ€rken. Zugleich bedauert die SFH, dass eine detaillierte Bilanz der aktuellen IZA-Strategie fehlt (S. 10); eine solche wĂ€re fĂŒr eine sinnvolle Beurteilung der Strategie-WeiterfĂŒhrung unerlĂ€sslich.

Die Ziele der IZA-Strategie 2025-28 sind nach Meinung der SFH zwar erstrebenswert, aber nicht hinreichend – insbesondere die folgend ausgefĂŒhrten Nachbesserungen sind aus ihrer Sicht vorzunehmen:

  • Partnerschaft statt Migrationsabwehr: Die immer stĂ€rkere Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit an sicherheits- und migrationspolitischen Interessen ist nach Meinung der SFH problematisch. Die IZA-Strategie 2025-28 begĂŒnstigt in der vorliegenden Form diese fortgesetzte Instrumentalisierung. Oberstes Ziel der IZA muss es sein, die Stellung der Zivilbevölkerung vor Ort, die wirtschaftliche Entwicklung und das Wohlergehen der EntwicklungslĂ€nder zu stĂ€rken.
  • Partizipation der Zivilgesellschaft: Zivilgesellschaftliche Organisationen der PartnerlĂ€nder und die Diaspora in der Schweiz sollten viel stĂ€rker in die IZA-Strategie einbezogen werden – etwa mit der Schaffung eines partizipativen Sounding-Boards oder einer Schweizer Plattform der Zivilgesellschaft fĂŒr Migration, Flucht und Entwicklung. Bei der Wahl der LĂ€nderprogramme sind alle relevanten Akteure frĂŒhzeitig einzubeziehen; dabei sollten auch die PartnerlĂ€nder die Programme befĂŒrworten, wobei Eigenverantwortung und gegenseitige Rechenschaftspflicht zu stĂ€rken sind.
  • Zielsetzung bei Entwicklungsfinanzierung einhalten: Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, 0.7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit zu investieren und hat dies im Rahmen der Agenda 2030 fĂŒr nachhaltige Entwicklung bekrĂ€ftigt. Mit der IZA-Strategie 2025-28 sollte diese Zielsetzung aus Sicht der SFH realisiert werden. Die Finanzmittel sind dementsprechend – und mindestens um die Ausgaben fĂŒr die Ukraine – zu erhöhen.

90 Jahre SFH – 90 Jahre FlĂŒchtlingsschutz

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