Kinder geh├Âren nicht in unterirdische Zivilschutzanlagen

18. August 2023

Unterirdische Zivilschutzanlagen sind f├╝r die Unterbringung von Gefl├╝chteten aus Sicht der Schweizerischen Fl├╝chtlingshilfe (SFH) nicht geeignet. Auf keinen Fall unterirdisch untergebracht werden sollten jedoch Kinder.

Der Kanton Aargau hat best├Ątigt, dass er Familien mit minderj├Ąhrigen Kindern unterirdisch in einer Zivilschutzanlage unterbringen will. Der Kanton Aargau rechtfertigt die Massnahme mit einer Notlage, in der man sich befinde. Die unterirdische Unterbringung solle so kurz wie m├Âglich dauern, hiess es. In anderen Kantonen sind solche Unterbringungen bereits geschehen, oder es wird laut ├╝ber diese M├Âglichkeit nachgedacht.

Die SFH vertritt die Auffassung, dass begleitete und unbegleitete Minderj├Ąhrige sowie vulnerable Personen auf keinen Fall unterirdisch untergebracht werden sollten. Besonders verletzliche Personen m├╝ssen rasch identifiziert werden, damit ihre besonderen Rechte und Bed├╝rfnisse ber├╝cksichtigt werden k├Ânnen.

Die unterirdische Unterbringung ist aber auch f├╝r erwachsene Gefl├╝chtete aus mehreren Gr├╝nden problematisch. Die Notunterk├╝nfte erlauben kaum Privatsph├Ąre und bieten keinerlei R├╝ckzugsm├Âglichkeiten. Dar├╝ber hinaus haben viele Asylsuchende auf ihrer Flucht traumatisierende Erfahrungen gemacht oder sie leiden unter anderen psychischen Problemen. Die unterirdische Unterbringung ohne Frischluft und Tageslicht kann sich besonders belastend auswirken.

Aus Sicht der SFH sollten Zivilschutzanlagen daher nur in Notsituationen als Unterkunft genutzt werden, wenn s├Ąmtliche anderen M├Âglichkeiten ausgesch├Âpft sind. K├Ânnen keine anderen Liegenschaften gefunden werden, empfiehlt sich beispielsweise die fr├╝hzeitige Planung von Wohnmodul- oder Containersiedlungen.  

Gibt es tats├Ąchlich keine andere Unterbringungsm├Âglichkeit als in unterirdischen Zivilschutzanlagen, empfiehlt die SFH, maximal jedes zweite Bett zu belegen.

Die Unterk├╝nfte sollten m├Âglichst zentral gelegen sein, damit der Kontakt mit der Zivilgesellschaft m├Âglich ist, und es sollten in jedem Fall oberirdische Aufenthaltsm├Âglichkeiten und Angebote f├╝r eine Tagesstruktur geschaffen werden. Neben den notwendigen Sanit├Ąranlagen sollte auch ein WLAN installiert werden. Schliesslich darf die Bewegungsfreiheit der unterirdisch untergebrachten Gefl├╝chteten nicht eingeschr├Ąnkt werden - auch nicht als Sanktion. Der freie Zugang zu Tageslicht und Frischluft muss jederzeit gew├Ąhrleistet sein.