Wie die Unterbringung in Gastfamilien gelingt

10. Januar 2024

Menschen in der Schweiz haben infolge des russischen Angriffskriegs grossz├╝gig private Unterk├╝nfte f├╝r Gefl├╝chtete aus der Ukraine angeboten. Die Gastfamilien leisten wichtige Unterst├╝tzung beim Ankommen der Gefl├╝chteten und f├Ârdern die Integration, sofern die Bedingungen f├╝r ein gutes Gelingen erf├╝llt sind. Dies zeigt eine neue Studie der Berner Fachhochschule (BFH), der Hochschule Luzern (HSLU) und der Schweizerischen Fl├╝chtlingshilfe (SFH). Damit die private Unterbringung nachhaltig ist, braucht es unter anderem eine gewisse Formalisierung und Begleitung.

Gastfamilien leisteten in vielen F├Ąllen wertvolle Unterst├╝tzung im Alltag, f├Ârderten den Spracherwerb und erleichterten durch emotionale und organisatorische Care-Arbeit die Eingew├Âhnung in der Schweiz. 

┬źGerade in der ersten Zeit des Ankommens bieten Gastfamilien Schutz und Sicherheit, Geborgenheit und Unterst├╝tzung┬╗, sagt Prof. Dr. Eveline Ammann-Dula, Co-Studienleiterin der BFH. Damit private Unterbringung gelinge, m├╝ssen beide Parteien die gegenseitige Privatsph├Ąre gew├Ąhrleisten, was eine entsprechende Raumaufteilung und kommunikativ-organisatorische Faktoren erfordere. Wichtig seien abschliessbare Zimmer und gemeinsame Regeln, um R├╝ckzugsm├Âglichkeiten und ein Gelingen des Zusammenlebens zu f├Ârdern. Dies sei gerade bei den aus Kriegsgebieten gefl├╝chteten Menschen wichtig, weil sie h├Ąufig ein erh├Âhtes Bed├╝rfnis nach Ruhe und Privatsph├Ąre h├Ątten.

Die Studienergebnisse basieren auf einer Online-Befragung von ├╝ber 1000 Gastfamilien in 19 Kantonen sowie 24 qualitativen Interviews mit Gefl├╝chteten und Gastfamilien. Die Studie vertieft die im Februar 2023 publizierten ersten Umfrage-Resultate, indem sie die hohe Bedeutung der beh├Ârdlichen Wertsch├Ątzung und Unterst├╝tzung zur Entlastung der Gastfamilien unterstreicht.

Begleitung und klare Mietverh├Ąltnisse

Die Studie h├Ąlt fest, dass eine professionelle Vorbereitung mit umfassender Abkl├Ąrung der Wohnsituation und -bed├╝rfnisse f├╝r beide Seiten zentral ist. Um eine stabile Unterbringungssituation sicherzustellen ist eine durchgehende, professionelle Begleitung der Gastfamilienverh├Ąltnisse entscheidend. Weiterbildungsm├Âglichkeiten und der Austausch der Gastfamilien untereinander, unterst├╝tzen die Kontinuit├Ąt der Gastfamilienunterbringung.

┬źWichtig ist, dass ein formaler Vertrag das Mietverh├Ąltnis regelt┬╗, sagt die Co-Studienleiterin der HSLU, Prof. Dr. Gesine Fuchs. So k├Ânnten sich Aufnehmende und Aufgenommene auf Augenh├Âhe begegnen. Die Unterbringungskosten sind durch die zust├Ąndigen Beh├Ârden zu ├╝bernehmen. Dar├╝ber hinaus braucht es eine angemessene Form der Anerkennung der emotionalen und organisatorischen Care-Arbeit, die Gastfamilien leisten. Wichtig ist nicht zuletzt eine verst├Ąndliche und verl├Ąssliche Kommunikation der Beh├Ârden und eine zentrale Anlaufstelle f├╝r Gastfamilien.

Die Studie betont die Chance, private Unterbringung als einen festen Bestandteil staatlicher Aufnahmestrukturen schweizweit zu etablieren. Die Forschungsergebnisse dienen als Grundlage f├╝r einen Dialog zwischen staatlichen Stellen, Zivilgesellschaft und Gefl├╝chteten, um die Integration und Unterst├╝tzung zu gew├Ąhrleisten.

Kontakt

  • Prof. Dr. Eveline Ammann-Dula, Co-Studienleiterin, Departement Soziale Arbeit Berner Fachhochschule, Tel. +41 31 848 37 16, Erreichbarkeit 10. Januar 2024: 11-15 Uhr
  • Prof. Dr. Gesine Fuchs, Co-Studienleiterin, Hochschule Luzern - Soziale Arbeit, Tel. +41 79 653 07 56, Erreichbarkeit 10. Januar 2024: 11-18 Uhr
  • Eliane Engeler, Mediensprecherin Schweizerische Fl├╝chtlingshilfe (SFH), Tel. +41 31 370 75 15

 

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