Verbesserungsbedarf bei der Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden

24. August 2023

Eine externe Evaluation ortet Verbesserungsbedarf bei der Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden in Kollektivunterk├╝nften des Bundes und der Kantone und best├Ątigt Probleme, auf welche die Schweizerische Fl├╝chtlingshilfe (SFH) seit langem hinweist. Die SFH begr├╝sst daher die Empfehlungen an die Beh├Ârden und regt an, diese umzusetzen und ein Monitoring einzurichten.

Das Schweizerische Forum f├╝r Migrations- und Bev├Âlkerungsstudien (SFM) und das Beratungsb├╝ro BSS haben im Auftrag des Bundesamtes f├╝r Gesundheit (BAG) ├╝berpr├╝ft, inwieweit das Konzept zur Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden in Kollektivunterk├╝nften von Bund und Kantonen umgesetzt wird. Die SFH nahm an der Begleitgruppe bestehend aus Experten, Beh├Ârden und Vertretern verschiedener Organisationen teil. Sie begr├╝sst den Evaluationsprozess sowie den heute ver├Âffentlichten Schlussbericht.

Der Bericht h├Ąlt fest, dass in den Bundesasylzentren (BAZ) die meisten im Konzept genannten Auftr├Ąge und Massnahmen zur Gesundheitsversorgung der Bewohner*innen umgesetzt werden. Beispielsweise erhalten Asylsuchende bei ihrer Ankunft im BAZ in der Regel erste medizinische Informationen und eine Beratung sowie Zugang zu Pflegefachpersonal. In den kantonalen Asylunterk├╝nften ist die Umsetzung hingegen sehr uneinheitlich: Anders als im Konzept vorgesehen ist etwa in vielen dieser Unterk├╝nfte kein Pflegefachpersonal vor Ort. Zudem kann es aufgrund des Personalmangels zu langen Wartezeiten kommen f├╝r Konsultationen bei bestimmten Fach├Ąrzten wie etwa Psychiater*innen.

Probleme bei Informationsfluss und ├ťbersetzung

Die Evaluation best├Ątigt Probleme, auf welche die SFH seit langem hinweist, wie etwa die ungen├╝gende ├ťbermittlung von Patientendossiers, wenn Asylsuchende von einem BAZ in ein anderes oder in den Kanton wechseln. Die Informationsweitergabe ist laut Bericht l├╝ckenhaft, denn in manchen F├Ąllen erreicht die Dokumentation das kantonale Zentrum versp├Ątet und unvollst├Ąndig, was die kontinuierliche medizinische Versorgung behindert.

Das Gesundheitsfachpersonal muss zudem oft auf professionelle Dolmetschende verzichten, weil es an Geld mangelt oder f├╝r bestimmte Sprachen keine ├ťbersetzer*innen zur Verf├╝gung stehen. Stattdessen werden Online-Tools eingesetzt, wobei die Qualit├Ąt der ├ťbersetzung nicht garantiert ist. F├╝r Betroffene kann das beispielsweise bedeuten, dass sie nicht die n├Âtige Behandlung erhalten.

Zugang zu Ärzten wichtig für Asylverfahren

Der Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung in den Kollektivunterk├╝nften f├╝r Asylsuchende ist von gr├Âsster Bedeutung. Die SFH anerkennt die wertvolle Arbeit des Pflegefachpersonals, betont aber gleichzeitig, dass Asylsuchende wie alle anderen Krankenkassenversicherten Zugang zu einem/einer Arzt/├ärztin erhalten sollten, wenn sie darum bitten. Eine funktionierende ├ťbersetzung muss gew├Ąhrleistet sein. Der Zugang zu ├ärzten ist nicht nur f├╝r die Gesundheit der Asylsuchenden grundlegend, sondern auch f├╝r ihr Verfahren, da der Gesundheitszustand ein Wegweisungshindernis darstellen kann. In diesem Zusammenhang muss insbesondere die Rechtsvertretung alle relevanten Informationen ├╝ber den Gesundheitszustand ihrer Mandant*innen erhalten.

Die SFH begr├╝sst die im Bericht formulierten Empfehlungen an Bundes-, Kantons- und interkantonale Beh├Ârden und die Bereitschaft der Steuergruppe, diese auch umzusetzen, namentlich in den Bereichen Ausbildung, Falltransfer, ├ťbersetzung sowie psychiatrische und psychologische Betreuung. Die SFH regt zus├Ątzlich an, daf├╝r ein Monitoringsystem zu schaffen.