Eritrea deportiert gefl├╝chtete Landsleute aus ├Ąthiopischen Fl├╝chtlingslagern

17. Dezember 2020

Zahlreiche Quellen best├Ątigen, dass in den letzten Wochen eritreische Gefl├╝chtete aus ├Ąthiopischen Fl├╝chtlingslagern von eritreischen Streitkr├Ąften entf├╝hrt wurden. Die SFH ist sehr besorgt, zumal UNHCR noch keinen Zugang zu diesen Lagern hat.

Filippo Grandi, UN-Hochkommissar f├╝r Fl├╝chtlinge, ist zutiefst besorgt ├╝ber die Sicherheit und das Wohlergehen eritreischer Fl├╝chtlinge in ├äthiopien, die in den Konflikt in der Region Tigray verwickelt sind. UNHCR und humanit├Ąre Partner h├Ątten seit ├╝ber einem Monat keinen Zugang zu den vier eritreischen Fl├╝chtlingslagern in Tigray, was die Sicherheit und das ├ťberleben der Fl├╝chtlinge stark gef├Ąhrden w├╝rde. Die am 11. Dezember 2020 gemachten Aussagen von Filippo Grandi, sind deutlich und lassen Schlimmes erahnen. Der Konflikt zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People's Liberation Front TPLF) ÔÇô die herrschende Partei der Tigray-Region an der Grenze zu Eritrea ÔÇô und der Zentralregierung in ├äthiopien bedroht sowohl eritreische wie ├Ąthiopische Schutzsuchende. Die USA best├Ątigen dieser Tage die zahlreichen Berichte von Hilfsorganisationen und aus diplomatischen Quellen, wonach eritreische Truppen in der Tigray Region auf der Seite der ├Ąthiopischen Streitkr├Ąfte k├Ąmpfen. Sie sch├Ątzen diese weitere Entwicklung als gef├Ąhrlich ein. Die Schweizerische Fl├╝chtlingshilfe (SFH) hat Mitte November informiert und eine Sistierung von Zwangsausschaffungen nach ├äthiopien gefordert.

Ein Sicherheitsteam der Vereinten Nationen, das die Situation der Schutzbed├╝rftigen aus Eritrea im ├Ąthiopischen Fl├╝chtlingslager Shimelba nahe der eritreischen Grenze beurteilen wollte, wurde von ├Ąthiopischen Streitkr├Ąften beschossen. Abgesehen vom Internationalen Roten Kreuz IKRK scheinen aktuell keine internationalen Organisationen mehr in der Tigray Region zu sein; sowohl eritreische Gefl├╝chtete, wie auch grosse Teile der ├Ąthiopischen Zivilbev├Âlkerung, darunter viele Frauen und Kinder, sind ohne Schutz, Nahrungsmittel und Medizin.

Gravierende Verst├Âsse gegen V├Âlkerrecht

Sie h├Ątten im vergangenen Monat eine ├╝berw├Ąltigende Anzahl beunruhigender Berichte erhalten, wonach eritreische Fl├╝chtlinge in Tigray get├Âtet, entf├╝hrt und gewaltsam nach Eritrea zur├╝ckgebracht worden w├Ąren, berichtet UN-Hochkommissar Filippo Grandi zudem, und w├╝rde sich dies best├Ątigen, w├Ąre dies ein schwerwiegender Verstoss gegen das V├Âlkerrecht.

Die ├Ąthiopische Regierung hat dem UNHCR und seinen Partnerorganisationen in einem Abkommen am 29. November 2020 zugesichert, einen humanit├Ąren Zugang zu von der ├Ąthiopischen Zentralregierung kontrollierten Gebieten in der Tigray-Region zu garantieren. Der EU-Kommissar f├╝r Krisenmanagement, Janez Lenar─Źi─Ź, sch├Ątzt das Abkommen zwischen der UNO und ├äthiopien zur humanit├Ąren Hilfe als wenig effizient sei, da es keinen Zugang zu anderen Gebieten in Tigray biete. F├╝r Helferinnen und Helfer vor Ort ist ein sicherer und ungehinderter Zugang zu den rund 96'000 eritreischen Gefl├╝chteten in den vier ├Ąthiopischen Lagern Hitsats, Mai-Aini, Adi-Harush und Shimelba (noch) nicht gew├Ąhrleistet.

Inzwischen hat die sudanesische Regierung knapp 50'000 Schutzsuchende aus der Tigray-Region aufgenommen. Filippo Grandi fordert die internationale Gemeinschaft auf, ihre Unterst├╝tzung f├╝r die humanit├Ąre Hilfe zu erh├Âhen. T├Ąglich erreichen hunderte eritreische und ├Ąthiopische Schutzsuchende ersch├Âpft und traumatisiert die Lager im Sudan. Die Hilfsg├╝ter werden knapp.

Angesicht dieser humanit├Ąren Trag├Âdie h├Ąlt die SFH an der im November 2020 gemachten Forderung fest: Bei Entscheiden ├╝ber Asylgesuche von Gefl├╝chteten aus ├äthiopien und Eritrea soll die sich kontinuierlich verschlechternde Sicherheitslage in der Region unbedingt ber├╝cksichtigt und keine Zwangsausschaffungen nach ├äthiopien vollzogen werden.