Äthiopien: Informationsabende über ein Konfliktland

13. Oktober 2021

Am 4. Oktober 2021 wurde ├äthiopiens Ministerpr├Ąsident Abiy Ahmed f├╝r weitere f├╝nf Jahre in seinem Amt best├Ątigt. Die politische Lage im Land ist seit dem Ausbruch heftiger K├Ąmpfe im Norden des Landes im November 2020 ├Ąusserst angespannt. Die Schweizerische Fl├╝chtlingshilfe (SFH) informiert ├╝ber die aktuelle Situation in ├äthiopien an zwei f├╝r die ├ľffentlichkeit zug├Ąnglichen L├Ąnderabenden.

Am 21. Juni 2021 errang die ┬źWohlstandspartei┬╗ von Abiy Ahmed in ├äthiopien bei sogenannten ┬źfreien┬╗ Wahlen einen erdrutschartigen Sieg. Prominente Oppositionsf├╝hrer hatten die Wahl jedoch boykottiert, nachdem sie willk├╝rlich verhaftet oder ihre B├╝ros verw├╝stet worden waren.

Abiy Ahmed amtet seit April 2018 als ├Ąthiopischer Premierminister. Sein Amtsantritt weckte  sowohl bei der heimischen Bev├Âlkerung als auch bei der internationalen Gemeinschaft viele Hoffnungen. 2019 wurde er f├╝r die Umsetzung mehrerer Reformen und die Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit dem benachbarten Eritrea sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Hoffnungen wurden jedoch rasch entt├Ąuscht: Im ganzen Land kam es zu politischen, ethnischen und sozialen Spannungen. Seit November 2020 f├╝hren die Streitkr├Ąfte der Zentralregierung mit Unterst├╝tzung eritreischer Truppen und amharischer Milizen in der Region Tigray einen brutalen Krieg gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (Tigray People Liberation Front, TPLF). Die Tigray Defence Force (TDF), der milit├Ąrische Arm der TPLF, hat inzwischen einen Grossteil ihrer Heimatregion zur├╝ckerobert und die Streitkr├Ąfte von Abiy Ahmed im Juli 2021 zum R├╝ckzug gezwungen. Dennoch setzen sich die K├Ąmpfe fort.

Verheerender Konflikt im Norden

Nach Angaben der UN-Hochkommissarin f├╝r Menschenrechte, Michelle Bachelet, tangieren Vorw├╝rfe von Menschenrechtsverletzungen nach wie vor alle am Konflikt beteiligten Parteien. Menschenrechtsorganisationen haben Massaker und sexuelle Gewalt dokumentiert, so unter anderem Amnesty International in einem im August 2021 ver├Âffentlichten Bericht.

Seit Beginn der K├Ąmpfe wurden ├╝ber 10ÔÇÖ000 Menschen get├Âtet und mehr als 1,7 Millionen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen, davon fanden im Sudan 60ÔÇś000 Vertriebene Zuflucht. Die humanit├Ąre Lage f├╝r die in der Region zur├╝ckgebliebenen Menschen ist dramatisch: Rund 400ÔÇÖ000 Personen sind von einer akuten Hungersnot betroffen, w├Ąhrend die humanit├Ąre Hilfe noch nicht im Land angekommen ist. Fast 2,5 Millionen Menschen sind auf eine medizinische Versorgung durch die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner angewiesen.

L├Ąnderabende ├╝ber ├äthiopien

Die SFH will die ├ľffentlichkeit ├╝ber eines der Herkunftsl├Ąnder von Asylsuchenden in der Schweiz informieren. Deshalb veranstaltet sie mit Unterst├╝tzung des Nationalen Forschungsschwerpunktes LIVES zwei Informationsabende ├╝ber ├äthiopien. Sie werden als Onlineveranstaltung am Mittwoch, 27. Oktober 2021 auf Deutsch und als Pr├Ąsenzveranstaltung am Donnerstag, 4. November in Lausanne auf Franz├Âsisch stattfinden. 

Auf dem Programm stehen die Sicherheitslage in ├äthiopien, die Risiken f├╝r bestimmte Personengruppen und die Schweizer Asylrechtspraxis gegen├╝ber ├Ąthiopischen Staatsangeh├Ârigen. Beide Veranstaltungen werden mit dem Erfahrungsbericht eines oder einer ├Ąthiopischen Gefl├╝chteten abgeschlossen.