Das Labor brennt

09. September 2020

Das FlĂŒchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos wurde in der vergangenen Nacht bei einem Brand vollstĂ€ndig zerstört. Das Lager wurde evakuiert, ĂŒber allfĂ€llige Opfer ist bisher nichts bekannt. Die Katastrophe in Moria war eine auf Ansage: Die SFH und unzĂ€hlige andere Organisationen aus ganz Europa hatten seit langem auf die unhaltbaren ZustĂ€nde in dem völlig ĂŒberfĂŒllten Lager hingewiesen.

In der Nacht hatten Wohncontainer im Innern und Zelte ausserhalb des Lagers Feuer gefangen. Das Lager wurde in der Folge gemĂ€ss Informationen des stellvertretenden Gouverneurs von Lesbos völlig zerstört. Bereits in der Nacht hatten die Behörden gemĂ€ss griechischen Medienberichten das Lager evakuiert. Gewisse Lagerinsassen befanden sich aber angeblich noch auf der Insel und waren in die umliegenden WĂ€lder und auf HĂŒgel geflĂŒchtet. Videos in sozialen Netzwerken zeigten herumirrende, verĂ€ngstige Menschen.

Griechenland ist lĂ€ngst zum Versuchslabor fĂŒr Europas Abwehr- und Abschreckungsmassnahmen geworden. Die Katastrophe von Moria ist eine auf Ansage. Über 12'000 Menschen haben zuletzt im Lager gelebt, das fĂŒr knapp 3’000 Personen konzipiert war. Die hygienischen ZustĂ€nde waren unhaltbar und die Sicherheitssituation hat sich laufend verschlechtert. Die SFH hat in der Vergangenheit immer wieder auf die desolaten ZustĂ€nde in Moria hingewiesen und eine Evakuierung aller FlĂŒchtlingslager auf den griechischen Inseln gefordert.  Auch hat sie die offizielle Schweiz wiederholt aufgefordert, ihr Engagement zu verstĂ€rken und möglichst viele Schutzsuchende aus den griechischen Elendslagern in die Schweiz zu holen. Hierzu hat sie im April 2020 zusammen mit 132 anderen Organisationen eine Petition unterstĂŒtzt. Diese wurde in der Folge von ĂŒber 50'000 Menschen unterzeichnet.

Die Situation in Moria hat sich in den zurĂŒckliegenden Wochen weiter verschĂ€rft. Vor kurzem wurde bekannt, dass der erste Lagerinsasse positiv auf Covid-19 getestet wurde. Inzwischen sollen sich im Lager 35 Personen mit dem Virus infiziert haben. Die unklare Situation ĂŒber den Umgang mit den Erkrankten soll am Anfang der Brandkatastrophe von letzter Nacht gestanden haben.

Die offizielle Schweiz ist nun mehr denn je aufgefordert, ihre Verantwortung in Griechenland wahrzunehmen. Das Lager in Moria ist komplett zu rĂ€umen und die Insassen sind in Sicherheit zu bringen. In der Folge ist der Bund dazu aufgerufen, möglichst viele dieser Schutzsuchenden zwecks PrĂŒfung des Asylantrags in die Schweiz zu holen. Ihnen muss in der Schweiz ein faires Asylverfahren, adĂ€quate Unterbringung und Betreuung gewĂ€hrt werden. Ermutigende Zeichen kommen derweil von der lange untĂ€tigen EU. GemĂ€ss Aussagen der EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hat diese zugesagt, in einem ersten Schritt den unverzĂŒglichen Transfer und die Unterbringung der verbleibenden 400 unbegleiteten Kinder und Jugendlichen auf dem Festland zu finanzieren. Allerdings ist es beschĂ€mend, dass es einen Brand braucht, damit sich die EU auch nur ein kleines StĂŒck bewegt.