Die Bekämpfung von strukturellem Rassismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

08. Juni 2026

Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» der SVP instrumentalisiert Ängste im Zusammenhang mit der Einwanderung und provoziert eine Debatte auf Kosten der Menschenrechte, der Solidarität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Wortführer*innen der angeblichen Nachhaltigkeitsinitiative konstruieren eine diskriminierende Erzählung, mit der sie unter anderem die Wohnungskrise oder die Überlastung des öffentlichen Verkehrs ausschließlich dem Asylbereich und der Zuwanderung zuschreiben. So erzeugt man eine verzerrte Vorstellungswelt und behauptet simple monokausale Zusammenhänge, die in der Realität aber vielschichtig und hochkomplex sind.

Samson Yemane, Co-Verantwortlicher Bildung in der Westschweiz

Die Herausforderungen in den Bereichen Wohnen und öffentlicher Verkehr resultieren in erster Linie aus einer Kombination von mangelnden Investitionen in die notwendige Infrastruktur, einer unzureichenden Standortpolitik sowie aus einem Mangel an kohärentem politischem Willen. Ausländische Personen dürfen unter keinen Umständen für diese Situation verantwortlich gemacht werden. 

Was die auf dem Rücken von geflüchteten Personen und Migrant*innen ausgetragene Debatte so gefährlich macht: Sie trifft auf ein gesellschaftliches Klima, das leider immer noch äusserst anfällig ist für rassistische Diskriminierungen. So zieht der jüngste Jahresbericht 2025 der Beratungsstellen gegen Rassismus eine besorgniserregende Bilanz: Rassismus ist in der Schweiz nach wie vor fest verankert. Es wurden 1245 Fälle rassistischer Diskriminierung registriert, insbesondere in den BereichenArbeit (17 %) und Bildung (22 %). Rassistische Diskriminierungen sind keine Einzelfälle, sondern Teil struktureller Dynamiken, die den Lebensweg von Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig beeinträchtigen. Struktureller Rassismus drückt sich in institutionellen Praktiken, hartnäckigen Stereotypen und Ungleichheiten beim Zugang zu Grundrechten aus. Er gefährdet die Integration, untergräbt den sozialen Zusammenhalt und schürt ein Gefühl der Ausgrenzung, das nicht ignoriert werden darf. 

Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus fordert eine Stärkung des Rechtsweges, um die Opfer besser zu schützen. Dieser notwendige Fortschritt bleibt jedoch unzureichend, wenn er nicht von einem umfassenderen Engagement in den Bereichen Bildung und Sensibilisierung auf gesamtgesellschaftlicher Ebene begleitet wird. 

 
Sensibilisierunsgmassnahmen und Schulungen der SFH  
 
Deshalb engagiert sich die SFH seit mittlerweile drei Jahren mit Schulungen und Workshops für die Sensibilisierung von Menschen und Institutionen. Die Angebote, die sich sowohl an Erwachsene, wie auch an Jugendliche richten, wollen aufzeigen, worin genau struktureller Rassismus besteht, mit dem Ziel eine inklusivere Gesellschaft zu fördern. Sie tragen dazu bei, ein kritisches Verständnis für rassistische Diskriminierung zu entwickeln und die notwendigen Kompetenzen zu stärken, um damit umzugehen. Im Jahr 2025 führte die SFH einundzwanzig Veranstaltungen für Fachleute in verschiedenen Bereichen durch. Dabei konnten rund 700 Personen geschult und sensibilisiert werden. Darüber hinaus wurden siebzehn Veranstaltungen in Gymnasien organisiert, an denen sich rund 340 Jugendliche mit dem Thema befassten.  

Im Rahmen der Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen der SFH äusserten viele Menschen ihre Besorgnis über das derzeitige öffentliche Klima, in dem rassistische und fremdenfeindliche Äußerungen zunehmend als normal angesehen werden – auch innerhalb von Teilen des politischen Diskurses. Diskriminierende politische Äusserungen, welche die Existenz von strukturellem Rassismus herunterspielen oder gar leugnen, dürfen nicht toleriert werden. Denn diese Haltung der Leugnung ist genau das, was strukturellen Rassismus ausmacht: Sie entzieht den von Fachinstitutionen dokumentierten Realitäten sowie den Erfahrungen rassistisch diskriminierter Opfer ihre Legitimität. 

Angesichts dieser gefährlichen Entwicklung müssen alle gesellschaftlichen Akteur*innen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Der Kampf gegen strukturellen Rassismus erfordert das Engagement der Behörden, der Institutionen, der Arbeitgeber, der Bildungsakteur*innen und der gesamten Zivilgesellschaft. Die Politik trägt eine besondere Verantwortung dafür, eine öffentliche Debatte zu fördern, die auf Fakten, Menschenrechten und sozialem Zusammenhalt basiert und nicht auf Stigmatisierung und Angstmacherei. Es geht nicht nur darum, Opfer rassistischer Diskriminierung zu schützen, sondern auch darum, Strukturen zu verändern, die diese Diskriminierung hervorbringen und aufrechterhalten, um eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft aufzubauen. Die SVP-Chaos-Initiative will das Gegenteil und schürt Vorurteile und Ausgrenzung. Sie muss mit einem klaren Nein an der Urne verhindert werden. Auch Ihre Stimme ist wichtig, denn es wird knapp. Gehen sie abstimmen!  

 

Die Schweiz hält zusammen

Hier geht es zur Kampagne