Spiel gegen Sprache – in diesem Haushalt scheinen die gegenseitigen Erwartungen zusammen zu passen. Die SFH vermittelt zwischen den Gastgebern und den Gästen interkulturell. Foto: Vanessa Cardoso

SFH-Gastfamilien

Das Gastfamilienprojekt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH knüpft dort an, wo es im Asylprozess meist hapert: bei der sozialen und beruflichen Integration. Hier können sich interessierte Gastgeberinnen und Gastgeber aus den Kantonen Aargau, Bern, Genf und Waadt online anmelden.

Wegen starker Nachfrage kann es zurzeit einen Monat dauern, bis wir Ihre Anfrage behandeln können.

Für die Schweiz ist die organisierte Aufnahme von Flüchtlingsfamilien oder Asylsuchenden bei privaten Familien eine Premiere. Was ist die Idee des SFH-Projektes Gastfamilien, das zum Ziel hat, Flüchtlinge willkommen zu heissen und sie bei Privaten unterzubringen?

Anerkannte Flüchtlinge (Ausweis B), vorläufig Aufgenommene (Ausweis F) und Asylsuchende (Ausweis N), deren Gesuch mit grosser Wahrscheinlichkeit den Schutz in der Schweiz zur Folge hat, sollen durch die Aufnahme bei ansässigen Gastgeber-Familien zu einem selbständigen Leben in der Schweiz finden. Wer sich willkommen fühlt, menschliche Nähe und Wertschätzung erfährt sowie Orientierungshilfe und Unterstützung, wird sich letztlich schneller und tiefgreifender an die neuen Lebensumstände anpassen können und rascher eine neue Existenz aufbauen können. Die Schweizer Wirtschaft profitiert von einem grösseren Arbeitskräftepotenzial, die Gesellschaft vom kulturellen Austausch und die öffentlichen Finanzen von weniger Sozialkosten. Die Idee basiert auf der Willkommenskultur und Solidarität gegenüber Flüchtlingen, die in der Schweiz auch Tradition hat.

Wie es funktioniert

Interessierte Hauseigentümer, Mieter oder Pächter mit Wohnsitz in den Kantonen Aargau, Bern, Genf und Waadt melden ihr Angebot an freiem Wohnraum der SFH online. Im entsprechenden Formular geben sie an, wie viele Menschen sie wie lange bei sich beherbergen können. Die Mindestdauer beträgt zwölf Monate.

Die SFH leitet die Angebote anonymisiert an die kantonalen, für die Unterbringung verantwortlichen Asylbehörden weiter. Diese wählen entsprechend dem Wohnangebot geeignete Flüchtlinge aus, die bis anhin in kollektiven Unterkünften (Durchgangszentren) betreut wurden. Die Flüchtlinge und die potenziellen Gastgeber treffen sich ein erstes Mal, stellen sich gegenseitig vor und definieren die Rahmenbedingungen für Gast und Gastgeber wie etwa eine Hausordnung oder Präferenzen bei der Verpflegung. Nach einer Bedenkzeit von einigen Tagen entscheiden sich die beiden künftigen Wohnpartner für oder gegen den gemeinsamen Einstieg in das Projekt. Die SFH begleitet alle Schritte interkulturell.

Die Rahmenbedingungen

Entschädigungen, Sozialversicherungen

Grundsätzlich verbleiben die privat platzierten Flüchtlinge entsprechend ihrem Status (B, F oder N) im kantonalen Asyl- beziehungsweise Sozialsystem. Die Regelungen vor der Privatplatzierung bleiben auch nach dem Umzug zu den privaten Gastgebern in Kraft.

Die wesentliche Änderung betrifft die Entschädigung für die Unterbringung. Während in einzelnen Kantonen die Flüchtlinge sowohl für den Lebensunterhalt wie für die Unterbringung mit monatlichen Zahlungen der Flüchtlingsbehörden abgegolten werden, kennen andere Kantone eine Trennung von Lebensunterhalt (an den Flüchtling) und Unterbringungspauschale (an den Vermieter oder an die Gemeinde, welche die Miete direkt an den Vermieter ausbezahlt).

Die SFH kümmert sich darum, dass die Verantwortung für die gesamten Lebenskosten beim Flüchtling bleibt und die Gastgeber mit den Flüchtlingen einen Miet- beziehungsweise Untermietvertrag abschliessen. Den privaten Gastgebern stehen maximal die gemäss den kantonalen Richtlinien für den entsprechend genutzten Wohnraum festgelegten Tarife zur Verfügung.

Die Regelungen, welche sich aus dem Bezug von Sozialhilfeleistungen ergeben, werden durch das Projekt nicht tangiert.

Die Begleitung

Private Gastgeber und ihre Gäste werden durch eine von der SFH organisierte interkulturelle Vermittlung begleitet. So können allfällige Missverständnisse, die sich aus unterschiedlichen Gewohnheiten oder aus kulturell bedingten Gründen ergeben, frühzeitig erkannt und transparent gemacht werden.

Die für die Flüchtlinge allenfalls zuständigen Sozialbehörden oder medizinischen Fachdienste setzen ihre Betreuungsarbeit auch nach dem Umzug zu den privaten Gastgebern fort.

Integrations-Unterstützung

Die SFH unterstützt Flüchtlinge und Private bei ihren Integrationsbemühungen, insbesondere durch die Finanzierung zusätzlicher Sprach- oder Ausbildungskurse.

Die Anforderungen

…an private Gastgeber

  • Mindestens ein abschliessbares, möbliertes Zimmer für die Aufnahme einer Einzelperson. Mit separater Nasszelle (WC/Dusche oder Bad) von Vorteil.
  • Das Zimmer sollte mindestens während 12 Monaten verfügbar sein.
  • Komplette Einliegerwohnung ab zwei Zimmer (inkl. Wohn-Schlafräume, WC/Bad, Küche) für die Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie Familie.
  • Bereitschaft, sich für die Integration der Gäste zu engagieren, z.B. bei sprachlichen Schwierigkeiten, bei der Bewältigung des Alltages, bei Schulfragen, bei der Stellensuche.
  • Offenheit für die Begegnung mit einer eventuell noch fremden Kultur.

… an Flüchtlinge

  • Glaubwürdiges Bekenntnis für die Integration in der Schweiz: Sprache, Ausbildung, Stellensuche.
  • Offenheit für die Begegnung mit einer eventuell noch fremden Kultur.

…an Behörden oder private Leistungsträger

  • Bereitschaft für einen kurzfristig höheren Betreuungsaufwand für die Identifikation geeigneter Personen, die Organisation des Umzugs und die administrativen Massnahmen zwischen Kanton und Gemeinde (je nach Kanton sehr verschieden).

Andere Wohnprojekte

In zahlreichen Kantonen gibt es mittlerweile Wohnprojekte für Flüchtlinge, Asylsuchende und unbegleiteten Minderjährige. Interessierte Gastgeberinnen und Gastgeber, Pflegefamilien oder Anbietende von Wohnraum finden hier unsere laufend aktualisierte Liste.