Call For Papers ASYL 2020

Verbunden mit der für 2020 geplanten Online-Aufschaltung der Schweizerischen Zeitschrift für Asylrecht und –praxis ASYL lancieren die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH und die Redaktion von ASYL einen einzigartigen Beitragsaufruf: Die Hefte 1 bis 3/2020 werden Beiträge enthalten, die im Rahmen von drei «Call for Papers» zu drei vorgegebenen, aktuellen Themen vorgeschlagen und von der Redaktion ausgewählt worden sind.

Interessierte Fachpersonen (Doktorand_innen, Wissenschaftler_innen, Professor_innen, Richter_innen, Advokat_innen, Hochschulangehörige, Fachexpert_innen) sind dazu eingeladen, ihre Beitragsvorschläge zu einem der drei Themen «Länderanalysen», «Geschlecht und sexuelle Orientierung» und «Minderjährige und Jugendliche» bis spätestens 15. Oktober 2019 der Redaktion (E-Mail: Lucia.DellaTorre@fluechtlingshilfe.ch) einzureichen. Die in einer der drei Amtssprachen verfassten Abstracts dürfen maximal 1500 Zeichen (inklusive Leerzeichen) lang sein.
Die Redaktion ASYL wird Originalität und Relevanz der einzelnen Vorschläge prüfen und die ausgewählten Kandidat_innen einladen, den finalen Text in den folgenden Monaten einzureichen. Die Abgabefristen und die Verlagskriterien sind verbindlich und werden den Autor_innen rechtzeitig mitgeteilt.

«Länderanalysen»

Länderinformationen spielen eine entscheidende Rolle bei der Prüfung eines Asylgesuchs: Gleich, ob es darum geht, die politische, wirtschaftliche, kulturelle oder medizinische Versorgungssituation im Herkunftsland der Asylsuchenden zu beurteilen oder etwa festzustellen, ob ein Land als «sicher» eingestuft werden kann, um die Rückkehr der Antragstellenden unter Berücksichtigung des Non-Refoulement-Prinzip zu ermöglichen. Wie und von wem werden diese Daten erhoben, verarbeitet und schliesslich verwendet? Inwieweit können die Quellen von Länderinformationen im Hinblick auf das Recht auf rechtliches Gehör geheim bleiben? Inwiefern verpflichtet der Untersuchungsgrundsatz die Behörden, Informationen über Herkunftsländer oder Drittländer einholen? Welche Rolle spielt das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) bei der Harmonisierung der Länderinformationen auf europäischer Ebene? Welche Rolle sollten NGOs bei der Erstellung und Nutzung von Länderinformationen spielen?

«Geschlecht und sexuelle Orientierung»

Die Relevanz der Kategorie «Geschlecht» steht auch für den Asylbereich spätestens seit Anfang der 1990er-Jahre fest. Jüngere gesellschaftliche und mediale Debatten verleihen dem Thema erneute Aktualität und werfen neue Fragen auf, so etwa: Welche neueren Erkenntnisse und Strömungen der Geschlechterforschung könnten für den Asylbereich relevant sein? Welche praktischen Implikationen bringt die Ratifikation der Istanbul-Konvention für das Asylverfahren? Welche menschenrechtlichen Verpflichtungen bestehen gegenüber Transmenschen im Asylverfahren? Gibt es Unterschiede in der Beurteilung «typisch männlicher» und «typisch weiblicher» Verfolgungsformen (z.B. in Bezug auf die Glaubhaftmachung oder auf die Beurteilung des Vorhandenseins staatlichen Schutzes oder einer internen Fluchtalternative)? Lässt sich ein Einfluss der «me too» Bewegung auf den Asylbereich ausmachen? Inwiefern ist das Asylsystem insgesamt «vergeschlechtlicht»? Hatte die «Flüchtlingsschutzkrise» von 2015 einen Einfluss auf die Geschlechtergleichstellung? Berücksichtigt das neue Schweizerische Asylverfahren die Bedürfnisse von vulnerablen Personen wie Frauen, Mädchen, sexuellen Minderheiten, Oper sexueller Gewalt oder von Menschenhandel, genügend? Welche rechtliche Relevanz hat die Tatsache, dass ein Grossteil der flüchtenden Frauen auf der Flucht sexueller Gewalt und/oder Ausbeutung ausgesetzt sind?

«Minderjährige und Jugendliche»

Die zentrale Bedeutung von Kindheit und Adoleszenz für den späteren Lebensverlauf ist in der Fachliteratur gut belegt; dies gilt für die psychosoziale und gesundheitliche Entwicklung wie auch den beruflich-wirtschaftlichen Werdegang. Besondere Risiken, aber auch Chancen für die Entfaltung, die mit Flucht und Migration einhergehen, erweisen sich in diesem Lebensabschnitt als ausserordentlich folgenreich. Daher sind neben den Herkunftsfamilien immer auch Staaten und öffentliche Institutionen für Minderjährige – besonders für unbegleitete – zuständig, da Aufnahme, Schutz und Bildung der Kinder letztlich in der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung liegen.