Zuteilung an die Kantone: Frühzeitige Potenzialabklärung verbessert die Integration

Die SFH begrüsst es, wenn die individuellen Eigenschaften der Asylsuchenden wie beispielsweise Sprachkenntnisse, Ausbildungen inklusive deren Anschlussfähigkeit oder Sozialisation bei der Kantonszuteilung berücksichtigt werden. Die soeben publizierte Studie der ETH zu einem intelligenten «Asyl-Algorithmus» setzt der bisherigen Zufallsverteilung ein vielversprechendes Matching entgegen. Die ETH-Studie beweist, dass noch sehr viel Potenzial brachliegt, um die Integration von Asylsuchenden zu verbessern.

Sobald jemand in der Schweiz um Asyl ersucht, sollten seine Potenziale sofort erfasst werden. Welche Sprache(n) spricht sie? Hat sie Familienangehörige in der Schweiz? In welchem sozialen,  ökonomischen, kulturellen und politischen Umfeld ist diese Person aufgewachsen? Welche Ausbildungen bringt sie mit? Welche Berufserfahrungen kann sie vorweisen? Welche Zusatzausbildungen und Praktika könnte diese Person durchlaufen, damit ihre Erfahrungen anerkannt werden und sie ihre Fähigkeiten optimal in die Gesellschaft einbringen kann?  

Alle diese Fragen werden im heutigen Asylverfahren zu spät abgeklärt, was dazu führt, dass deren Potenziale zu lange brach liegen und die Integration der Betroffenen nicht wunschgemäss vorangetrieben werden kann. Zudem werden die Asylsuchenden oftmals nicht optimal auf die verschiedenen Kantone und Standorte verteilt. Mit ihrer neuen Studie, die auf Datensätzen von 20‘000 Asylsuchenden basiert, konnte die ETH nun aufzeigen, dass die Anwendung eines intelligenten  Asyl-Algorithmus die Beschäftigungsquote massiv erhöhen kann.

Die SFH begrüsst diese Studie. Sie schafft Fakten und fordert zum Handeln auf. Das neue Asylverfahren, das ab Frühjahr 2019 in Kraft tritt, bietet eine gute Gelegenheit, um eine solche neue Zuteilungsmethode für Flüchtlinge in die Praxis umzusetzen. Ab diesem Zeitpunkt erhalten Asylsuchende von Anfang an einen unentgeltlichen Rechtsbeistand, und sie profitieren in den neuen Bundeszentren von einer Beratung vor Ort. Aus Sicht der SFH sollte das Potenzial dieser Asylsuchenden sofort und unabhängig von vertieften Chancenabklärungen für ein erfolgreiches Asylgesuch eruiert werden. So lassen sich von Anfang an Basis-Integrationsmassnahmen wie Sprachkurse oder andere schulische Weiterbildungen ins Auge fassen. Dadurch erhöht sich die Chance der Schutzsuchenden, möglichst rasch einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden.

Zur Medienmitteilung der ETH