Nach zwei Jahren in einer Gastfamilie zieht Martha Haile eine positive Bilanz

Im März 2016 fand Marta Haile bei Cécile Joly im waadtländischen Yvonand ein neues Zuhause im Rahmen des Gastfamilienprojekts der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH. Zwei Jahre später nimmt die Redaktion des Fluchtpunkts mit Marta wieder Kontakt auf. Die Eritreerin ist jetzt 23 Jahre alt, ist gerade nach Lausanne gezogen und hat im August eine Lehre als kaufmännische Angestellte begonnen.

Ich stelle fest, dass du in diesen zwei Jahren enorme Fortschritte gemacht hast mit dem Französischen. Inwiefern hat es deine Integration erleichtert, dass du mit Cécile zusammen gewohnt hast?

Neben der täglichen Praxis in der französischen Sprache, hat Cécile mich auch bei der Arbeitsintegration unterstützt. Nachdem ich die Übergangsschule im August 2017 begonnen habe, fand ich eine Lehre als kaufmännische Angestellte beim Etablissement vaudois d’accueil des migrants (EVAM). Cécile hat mich zum Beispiel auf die Bewerbungsinterviews vorbereitet. Das hat mir geholfen, diese Lehrstelle zu finden.

Nach ihrer Pensionierung verliess Cécile die Schweiz, um sich mit ihrem Lebenspartner in Frankreich niederzulassen. Du musstest also eine neue Wohnung finden und deine Recherchen haben im letzten Juni gefruchtet. Was war ausschlaggebend für diesen Erfolg?

Ich habe im März 2018 angefangen, in Randregionen nach einem Appartement zu suchen, um meine Chancen zu erhöhen. Aigle, Bex, Montreux, Lausanne…ich habe überall zahlreiche Dossiers deponiert, aber das hat nicht zum Erfolg geführt. Schliesslich besuchte ich zusammen mit Cécile ein Studio in Lausanne. Wir konnten mit dem verantwortlichen Hauswart sprechen, der mein Dossier dem Hauseigentümer überreichte. Das Gespräch mit dem Hauseigentümer verlief gut. Ich erzählte ihm meinen Lebenslauf und über das Zusammenwohnen mit Cécile. Es war ein grosser Vorteil, dass Cécile dabei war. Sie konnte alles bezeugen, konnte für mich garantieren und mich empfehlen als eine Art Vertrauensperson.

Während zwei Jahren und einiger Monate hattest du den Status N als Asylsuchende und musstest auf den Asylentscheid der Behörden warten. Am 26 März 2018 bist du als Flüchtling anerkannt worden und hast die Aufenthaltsbewilligung B erhalten. Was bedeutet das für dich?

Das hat mir auf jeden Fall die Sicherheit gegeben, dass ich in der Schweiz eine Zukunft habe. Zuvor konnte ich nichts in die Zukunft planen. Ich ignorierte einfach, ob ich in der Schweiz bleiben kann oder nicht, aber es hatte Angst und Sorgen. Die B-Bewilligung öffnet mir viele Türen; ich habe zum Beispiel diese Wohnung gefunden, weil ich jetzt in den Augen der Liegenschaftsverwaltungen solvent bin. Seit ich die B-Bewilligung habe, muss ich in meinem Integrationsprozess solche Hürden nicht mehr überwinden.

Was würdest du Interessierten, die sich für das Gastfamilieprojekt engagieren möchten, raten?

Den Gastfamilien würde ich sagen, dass der Anfang des Zusammenlebens immer schwierig ist: wir leben in unserer Verschiedenheit unter einem Dach. Deshalb müssen alle Beteiligten lernen, sich selber kennenlernen, geduldig zu sein, keine Erwartungen zu haben und einander nichts aufzuzwingen. Den Gästen rate ich, dass sie davon nur profitieren können und schöne Erfahrungen machen werden. Sie sollten an den vorgeschlagenen Aktivitäten der Gastfamilien teilnehmen ohne sich dazu verpflichtet zu fühlen.

Von Karin Mathys, Redaktorin SFH (übersetzt aus dem Französischen)