«Wir wollen zeigen, wieso Schweizer freiwillig in die Natur gehen – und das sogar leidenschaftlich gerne.»

Gemeinsame Erlebnisse schaffen Nähe

Im Juli 2018 verbrachte eine Gruppe Asylsuchender mit dem Projekt «Berge erleben» in einer Hütte im Berner Oberland. Was sich nach einem «normalen» Wochenende in den Bergen anhört, war für die Flüchtlinge ein veritables Abenteuer.

Flüchtlinge müssen oft isoliert in Flüchtlingszentren die Zeit totschlagen. Freizeitaktivitäten wie Wandern und der Kontakt zur lokalen Bevölkerung stellen eine Herausforderung dar. In diesem Setting bleibt die Schweizer Kultur, Natur und Bevölkerung für Asylsuchende oftmals ein grosses Geheimnis. Zum Glück gibt es Projekte wie «Berge erleben», das Geflüchteten die Schönheit der alpinen Natur zeigt und den kulturellen Austausch mit der Schweizer Bevölkerung fördert.

Freitagnachmittag. Eine Gruppe bestehend aus 15 Asylsuchenden und 9 Schweizern erreicht die rustikale Winteregghütte bei Kandersteg. Es folgt ein «Abenteuertreck» zum Arvenseeli, eine Art Schnitzeljagd in gemischten Gruppen. Der Weg ist gesäumt mit verschiedenen Posten und Aufgaben, die in der Gruppe gelöst werden müssen. Am Arvenseeli angekommen wird Holz für ein Lagerfeuer aufgeschichtet. Es wird gespielt und gesungen, die Stimmung ist locker und entspannt. Auf dem Lagerfeuer brutzeln Schlangenbrot, Würste und Gemüse und – zum Erstaunen des Autors – ein selber zubereitetes Ratatouille in Einmachgläsern.

Der Marsch zurück zur Hütte erfolgt früher als geplant. Ein Wetterumschlag – wie man sie aus den Bergen kennt – setzt ein. Ein heftiger Regensturm mit Blitz und Donner entlädt sich über der Gruppe. In der Hütte angekommen haben alle nur noch eines im Sinn; trocken ab ins Bett! Doch davor werden die Ämtli für das Wochenende verteilt. Auch das ist Teil des Konzepts: Jede und jeder soll anpacken, gemeinsame Erlebnisse verbinden. 

Vielfältige Schweizerkunde

Am Folgetag erwartet die Teilnehmenden eine individuelle Selbstreflexion. Was sind meine Erwartungen an die nächsten Tage? Was sind die Ziele für das kommende Jahr? Was möchte ich Neues erleben? Am Ende des Wochenendes kommt die Gruppe darauf zurück und zieht Bilanz.

Am reichhaltigen und natürlich schweizerischen Frühstück holt sich die Gruppe die nötige Energie, um sich im Anschluss auf eine intensive Auseinandersetzung mit der Schweizer Kultur einzulassen. In Gruppen werden die folgenden Themen behandelt

  • Schweizer Küche: Birchermüesli, Zopf und Kuchen backen
  • Bergkunde: Landkarte lesen und mit einem Kompass umgehen
  • Schweizer Kultur: Kennenlernen der vier Landessprachen mit urchigen Sitten und Bräuchen
  • Kartenspiel: Vorstellung der persönlichen Lieblingskartenspiele, gefolgt von einer Spielrunde
  • Mit einen selbstgebauten Mikroskop die Natur erleben.
  • Geologie: Auseinandersetzung mit Schweizer Gletscher-, Berg- und Klimathemen.

Auch eine Bergwanderung darf natürlich nicht fehlen. Am Samstag geht es durch die wunderschöne Berglandschaft zum Daubensee. In Wanderschuhen, was nicht selbstverständlich ist. Ein Sportladen in Interlaken stellt den Asylsuchenden die Wanderschuhe gratis zur Verfügung.