Hier lernen Flüchtlinge Selbstbeherrschung, Konzentration und gegenseitiges Vertrauen.

Durch Sport Brücken bauen

Sport bietet eine ideale Möglichkeit, um zwischen Menschen verschiedener Herkunft Brücken zu bauen. Aber was machen diejenigen die gerne Sport treiben möchten, aber sich keine Sportausrüstung und kein Fitnessabonnement leisten können? So entstand die Idee den Verein «Sportegration» zu gründen.

«Ich bekomme mein Selbstbewusstsein zurück»

Für die meisten Asylsuchenden ist der Einstieg in die Berufswelt sehr schwierig – sie haben einerseits nur sehr wenig Geld zur Verfügung und der Alltag ist geprägt von viel Langweile. Viele Asylsuchende haben kein stabiles soziales Umfeld, sie wohnen in einer Unterkunft und teilen ihr Zimmer mit anderen fremden Menschen. Die Langweile ist besonders für Flüchtlinge schlimm, weil viele von ihnen traumatisiert und mit ihren Gedanken, Ängsten und Depressionen allein gelassen sind. Es ist dringend nötig, dass auch diese Menschen positive Momente erleben können. Hier bekommen diese Menschen einen Grund, ihre Unterkunft zu verlassen und im gemeinsamen Training wertvolle Kontakte zu knüpfen und eine unbelastete Zeit zu verbringen.

Hier gibt es nur Gewinner

Die Trainings sind nicht auf Kampfsport ausgerichtet, sondern bieten eine Möglichkeit, Selbstbeherrschung und Selbstverteidigung zu erlernen. Teilnehmenden verpflichten sich respektvoll mit dem Gegenüber umzugehen und sich im Training friedvoll zu verhalten. Das Angebot besteht aus Fitboxen, Selbstverteidigung und Beintechniken und einem gemeinsames Krafttraining. Hier wird hart trainiert. Zuerst alleine, dann mit dem Nachbarn zusammen. Aus den Lautsprechern tönt lauter Rap. Weiter geht es mit Liegestützen. Fitboxen und Selbstverteidigung. Für Martha, Ali, Rouhollah, und den anderen Flüchtlinge heisst das: 90 Minuten Dampf ablassen und den Alltag hinter sich lassen, und vergessen woher sie kommen, wie sie hier leben – und dass sie auf ihren Asylentscheid warten. Das Angebot ist unter den Asylsuchenden sehr beliebt.

Trainiert wird im Silo des Löwenbräu-Areals, einem trendigen Ort in Zürich. Von der Decke hängen riesige Tanks, in denen früher Getreide lagerte. Am Montag und am Donnerstag wird trainiert. Hier können Asylsuchende sich austoben. Sie erhalten die nötige Ausrüstung und weitere Unterstützung wie zum Beispiel einen finanziellen Beitrag an die ÖV Kosten. Heute trainierten ca. 30 Asylsuchende. Junge Männer hauptsächlich aus Afghanistan, dem Iran und Eritrea. Handgelenke werden eingebunden, Boxhandschuhe angezogen. Alle wissen, was sie zu tun haben.

Sport als Integrationshilfe

Ein Sportprogramm hat bei jungen Geflüchteten nicht nur positive Auswirkungen auf ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden, sondern es kann ihnen auch das Gefühl von Geborgenheit und sozialer Zugehörigkeit vermitteln. Vor, während und nach den Sportstunden sind sie nicht mehr Geflüchtete sondern eigenständige Persönlichkeiten mit Stärken und Schwächen. Sie werden als Individuen anerkannt und für ihre Fortschritte im Sport und in der deutschen Sprache wahrgenommen und gelobt. Sie können einfach wieder Mensch sein und sich wie zuhause fühlen.

Ali Reza Gholami, 23 Jahre, kommt aus Afghanistan. Er ist seit drei und ein halb Jahren in der Schweiz..

„Ich trainiere seid ein ein halb Jahren. Durch den Sport bleibe ich fit. Ausserdem gibt es mir die Möglichkeit, Teil eines Teams zu sein und Freunde zu finden und mit ihnen gemeinsam etwas zu machen. Mein Deutsch hat sich in dieser Zeit stark verbessert und ich lerne jedes Mal mehr über die Schweizer Kultur und Gewohnheiten. Das hilft mir hoffentlich auch im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. So macht es Spass.“

Martha ist 36 Jahre alt und kommt aus Kamerun. In der Schweiz wohnt sie seit vier Jahren.

„Ich besuche die Sporttrainings zweimal die Woche. Für ein Fitnesscenter habe ich kein Geld, deshalb schätze ich das Sporttraining-Angebot. Zudem mag ich die Leute, die bei den Trainings dabei sind. Ich bin alleine in die Trainings gekommen, und habe mich sofort gut mit allen verstanden. Im Kopf fühle ich mich stark und der Stress ist weg. Es herrscht eine kameradschaftliche Stimmung – wir sind ein tolles Team.“

Ahmadi Rouhollah,19 Jahre alt, kommt ebenfalls aus Afghanistan. Er ist seit rund drei Jahren in der Schweiz.

 „Ich fühle mich sehr belastet und verzweifele wenn ich dran denke, dass meine Familie in Afghanistan leidet. Wir haben nur selten Kontakt und ich kann mich mit niemand austauschen. Vorher habe ich über die Probleme zu viel nachgedacht. Wenn ich hier unter den Leuten bin wiegen die Probleme nicht so schwer. Ich finde das Training abwechslungsreich und ich bin viel fitter geworden.“