«Das Miteinander tut uns allen gut» - Gelebte Integration in Schweizer Gastfamilien

Flüchtlinge stehen unter enormen Druck. Die ungewisse Perspektive zermürbt viele. Wie lange dauert unser Asylverfahren? Dürfen wir in der Schweiz bleiben? In dieser Situation ist Hilfe und gelebte Integration von grosser Bedeutung: Die Arbeit engagierter Freiwilliger beim Wohnen, bei der Weiterbildung und im Zusammenleben mit der Bevölkerung ist entscheidend. Familie Steiger und ihre zwei Gäste aus Eritrea und Somalia leben es vor.

Familie Steiger meldete sich auf den von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH lancierten Aufruf für Gastfamilien. Nachdem ihre beiden Kinder ausgezogen waren, hatten sie wieder leere Zimmer im Haus. Gekommen sind zwei jugendliche Gäste: Mogos aus Eritrea und Abdi aus Somalia. Es war für beide Seiten eine Reise ins Ungewisse – wie würde sich das Zusammenleben entwickeln?

«Ich bin immer für sie da, wenn sie nicht weiterkommen.»

Ana und Peter sind tolerant, grosszügig, und beide haben eine starke Ausstrahlung. Von Anfang an hat sich die erweitere Familie gefunden. Peter Steiger schildert es so: „Es war wie eine Familien-Verjüngung.“ Man respektiere die Freiräume und jeder lebt sein Leben selbstständig. Mogos und Abdi schätzen es, nach Monaten allein auf der Flucht wieder Teil einer intakten Familie zu sein. Ana und Peter lieben es, die beiden zu begleiten und sie zu unterstützen, um ihnen einen optimalen Start zu ermöglichen.

«Das Zusammenleben bietet eine riesige Chance, Deutsch zu lernen.»

Bereits nach kurzer Zeit verbesserten sich die Deutschkenntnisse der Gäste – sie reden inzwischen sogar Bärndütsch. Peter Steiger unterstützt sie bei den Hausaufgaben: «Ich bin immer für sie da, wenn sie nicht weiterkommen.»

Peter ist besonders stolz und gerührt, als ihn Mogos als „Schweizer Papa“ beim Elternabend der Berufsschule vorstellt. Durch Peters Kontakte findet er Schnupperlehren als Polybauer und Spengler und Abdi schnell eine Schnupperlehre in einem Restaurant. Abdi absolvierte eine Vorlehre und führte die Dichtungsarbeit bei einer Flachdach-Firma aus. Hier wurde er als selbstständiger Lehrling unterstützt und respektiert. Zusätzlich besuchte er die Berufsschule.

Bei Abdi und Mogos gibt es fast jeden Tag neue Herausforderungen und Fragen. Zum Beispiel zur Lohnabrechnung, bei der Benutzung einer Kreditkarte für Bargeldbezug am Geldautomat oder zur Klärung der Handyrechnung. Peter und Ana geben dann gezielt Auskunft.