Asylsuchende gemeinsam mit SchülerInnen des Literargymnasiums Rämibühl.

Barrieren und Berührungsängste abbauen

Jugendliche kennen Asylsuchende meistens nur vom Hörensagen oder aus Medienberichten, die oftmals von negativen Bildern und einseitigen Informationen geprägt sind. Asylsuchende ihrerseits haben nur selten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung und wissen wenig über schweizerische Strukturen wie beispielsweise das Schulwesen. So entstehen auf beiden Seiten häufig Vorurteile.

Um ein Kennenlernen und den Abbau von Vorurteilen auf beiden Seiten zu ermöglichen, organisiert das Staatssekretariat für Migration (SEM) und die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH Besuche von Asylsuchenden bei Schulklassen. Das Angebot «Begegnungsmodul» schafft gegenseitiges Verständnis und Respekt. Flüchtlinge haben die Möglichkeit, die Umgebung der Schülerinnen und Schüler kennen zu lernen und diese wiederum können sich sich selbst ein Bild über das Schweizer Asylverfahren machen.

Ein solcher Begegnungstag fand am 6. September 2018 statt. 160 SchülerInnen des Literargymnasiums Rämibühl in Zürich und 40 Asylsuchende verbrachten gemeinsame Stunden zusammen. Die Schülerinnen und Schüler erhielten zuerst Informationen zum Asylwesen in der Schweiz. Dann standen die zwischenmenschlichen Begegnungen im Zentrum.

Zuvor wurden die Schüler aufgefordert, auf einem Flipchart Adjektive zu sammeln, welche sie in Verbindung mit den Asylsuchenden bringen. Sie seien arm und arbeitslos, jetzt als Flüchtlinge wie auch in ihrem Heimatland, notierten die Schüler. Auch die Gäste leisteten die gleiche Vorarbeit. Einer der Männer bezeichnet die Schweizer als hilfsbereit, er fühle sich nicht ignoriert. Ein anderer relativiert: «Auch hier gibt es gute und schlechte Leute, wie überall auf der Welt.»

Es folgten weitere gemeinsame Spiele wie Pantomime (Berufe erraten), Sprache (einfache Worte lernen), Musik (Lieder und Tänze der verschiedenen Länder) und Teppich (gemischte Teams kehren eine Decke ohne den Fussboden zu betreten). Anfangs läuft alles noch stockend, doch nach und nach tauen die Schülerinnen und Schüler und die Asylsuchenden auf und kommen sich bei lustigen Situationen, in denen alle lachen müssen, näher.

Auch die Flüchtlingstheorie interessiert

Das Modul «Workshop Asyl und Rückkehr» leitete Monika Auer vom Staatssekretariat für Migration. Sie erläuterte die unterschiedlichen Gründe für Migration und zeigte Stationen des Asylverfahrens auf. Die Schüler bekamen Einblick in den Ablauf der Anhörung und hörten Erläuterungen zum Flüchtlingsbegriff. Sie erfuhren die Unterschiede zwischen freiwilliger Rückkehr, selbständiger Rückkehr mit Rückkehrhilfe und zwangsweiser Ausschaffung.