Asylstatistik: Rückgang der Gesuche ist eine Aufforderung, mehr Hilfe zu leisten

18‘000 Schutzsuchende, ein Drittel weniger als im Vorjahr, haben 2017 in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt. Der Rückgang bedeutet nicht, dass sich die Situation für Flüchtlinge global verbessert hat.

Die Schweiz hat im Jahr 2017 rund 18‘000 Asylgesuche verzeichnet. Das ist ein Drittel weniger als noch im Vorjahr.  

Hat sich die Lage damit entspannt?

Im Jahr 2016 verzeichnete die Schweiz 27‘000 Asylgesuche, das ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von über 8.5 Millionen Einwohnern auch für das Vorjahr eine kleine Zahl.

Allerdings ist der Rückgang der Asylgesuche 2017 trügerisch. Europa betreibt eine Politik der Abschottung und Externalisierung. Die Aussengrenzen werden zunehmend geschlossen und damit der Zugang für Geflüchtete zu einem Asylverfahren versperrt.

In libyschen Flüchtlingslagern, den griechischen Inseln oder ungarischen Transitzonen befinden sich Tausende von Flüchtlingen, die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren müssen. Diese Menschen haben keine Chance, ihr Recht wahrzunehmen, und ein Asylgesuch zu stellen. Es fehlt schlicht an legalen Zugangswegen nach Europa. Aus Sicht der Flüchtlingshilfe ist diese Abschottung Europas menschenrechtlich höchst bedenklich. 18‘000 Asylgesuche in der Schweiz bedeutet nicht, dass weniger Menschen aus ihren Heimatländern vertrieben werden.

Was kann die Schweiz konkret tun, um Einfluss zu nehmen?

Die Schweiz kann im Rahmen von Resettlement-Programmen mehr vulnerable Flüchtlinge legal in die Schweiz holen. Sie hat seit 2015 aktuell 1476 Personen im Rahmen solcher Programme aufgenommen. Zudem hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga angekündigt, weitere 80 Personen im Rahmen eines Resettlement aus Libyen in die Schweiz zu nehmen.

Leider ist die Schweiz nach wie vor ein Land, das die Dublin-Verordnung sehr strikt auslegt und anwendet. Das betrifft zum Beispiel Personen, die in einem Land wie Italien erstregistriert sind und dieses Land deshalb für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist. Die Schweiz hätte die Möglichkeit, die Dublin-Verordnung weniger streng auszulegen und selbst vermehrt auf Asylgesuche einzutreten, insbesondere wenn es sich um vulnerable Personen handelt oder Menschen mit Familienangehörigen in der Schweiz. Italien könnte damit entlastet werden.  

Was bedeutet die aktuelle Situation konkret für die SFH?

Die Schweiz sollte Integrationsmassnahmen wie Sprachkurse, Anschlussausbildungen, Praktika, Vorlehren und Lehren fördern.

Die Asylsuchenden sollten schon während des Verfahrens in Integrationsprozesse integriert werden. Vor allem bei vorläufig Aufgenommenen, die oft sehr lange in der Schweiz verbleiben, gilt es Hürden zum Arbeitsmarkt abzubauen.

Auch sollen die Möglichkeiten zum Familiennachzug verbessert werden. Denn dieser unterstützt die Integration ganz wesentlich.