Arbeitsintegration von Eritreer_innen in der Schweiz

Im Rahmen unserer Kampagne zu den Flüchtlingstagen 2018 standen in diesem Jahr Geflüchtete und ihre Ankunftsgeschichten in der Schweiz im Zentrum. Dies möchten wir bis Ende 2018 weiterführen. Unser erster Beitrag nach den Flüchtlingstagen zeigt sechs Positivbeispiele von Geflüchteten aus Eritrea, die ihr Leben in der Schweiz mit viel Motivation und Eigeninitiative in die Hand genommen haben.

Finan Ashebir, 19, kam als unbegleiteter Minderjähriger aus Eritrea in die Schweiz, vorläufig aufgenommen (F-Ausweis):

«Mein Name ist Finan Ashebir. Ich bin seit drei Jahren in der Schweiz. Ich habe für verschiedene Berufe Schnuppertage gemacht. Mit Erfolg, denn jetzt kann ich ab dem 1. August 2018 für ein halbes Jahr ein Praktikum auf dem Rüttihubelbad in Walkringen machen. Das brauche ich, um mein Ziel, eine Ausbildung als Fachmann Betreuung EFZ Behinderte zu erreichen. Ich arbeite in vielen verschiedene Projekten mit: bei Speak out, einem Projekt des Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, bei unserer Eritrean Diaspora Academy, beim Diaspora TV. In diesen Projekten geht es immer um Integration in der Schweiz und schliesslich darum, dein Leben in deine eigenen Hände zu nehmen. In meiner freien Zeit spiele ich unsere traditionelle Musik mit dem Instrument Kirar, und liebe Tischball, Basketball, Fussball und schwimme auch sehr gern.»

Semhar Negash, Bern und Asmara, 32, Sozialanthropologin, B-Ausweis:

«Mit der Aufenthaltsbewilligung solltest du eine Arbeit finden, eine Berufslehre machen. Dafür musst du dich bewerben, Briefe schreiben, Termine vereinbaren und dann vor allem warten und geduldig sein. Und genau in dieser Phase ist die Gefahr gross, dass man einfach herumhängt mit dem Handy, viel denkt, sich einsam und perspektivenlos fühlt. Es ist sehr wichtig, dann eine Struktur oder eine Aufgabe zu haben, sonst hält man das kaum aus. Deshalb unterstütze ich seit drei Jahren minderjährige Eritreerinnen und Eritreer beim Einstieg ins Berufsleben. Noch dazu begleite ich eritreische Familien bei ihrer Integration und bin bei der Eritrean Diaspora Academy aktiv, wo wir Eritreerinnen und Eritreer uns gegenseitig unterstützen und unsere Selbstwirksamkeit stärken.»

Medin Dirar, F-Ausweis – seit 2014 in der Schweiz

«Ich heisse Medin Dirar und komme aus Eritrea. Ich bin 2014 in die Schweiz gekommen und habe einen Ausweis F erhalten. Dank der Unterstützung von zwei Familien, die ich bei einer Weihnachtsaktion in Ste-Croix getroffen habe, habe ich eine Lehrstelle als Elektriker gefunden. Dass ich sehr früh an einer gemeinnützigen Aktion teilgenommen habe, hat mir wichtige Türen geöffnet. Ich konnte meine Arbeitsfähigkeit unter Beweis stellen, Kontakte knüpfen und verstehen, wie die Arbeit in der Schweiz funktioniert. Mein Beruf gefällt mir, ich mag mein Dorf, meine Wahlheimat, und ich plane, hierzubleiben. Ich möchte für meinen Lebensunterhalt sorgen und meine Zukunft wie jeder andere planen.»

Samson Teklehaimanot, aus Dekemhare nahe Asmara macht heute eine Ausbildung als Polymechaniker

«Ich heisse Samson Teklehaimanot und komme aus Dekemhare, einer kleinen Stadt, 38 km von Asmara, der Hauptstadt von Eritrea, entfernt. Ich bin 2015 in die Schweiz gekommen und habe 2017 einen Ausweis F (vorläufig aufgenommen) erhalten. Im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms habe ich zunächst in der Landwirtschaft gearbeitet. Danach konnte meine Ausbildung als Polymechaniker CFC in Ste-Croix beginnen. Der Unterricht ist anspruchsvoll, aber ich kann folgen. Wir produzieren mechanische Teile, machen Dreh- und Fräsarbeiten, Bohrungen und Montagen und lernen, Maschinen zu programmieren, um Teile in 3D zu produzieren. Dieser Beruf gefällt mir. So kann ich mich nützlich machen, eine Zukunft aufbauen und vielleicht eines Tages noch Ingenieur werden, mein Traumstudium. Ich habe eine Familie und möchte meiner Frau und meinem Sohn ein gutes Leben sichern können. Ich hoffe, dass er eines Tages stolz auf mich ist. »

Asmerom Habtemariam, 24 Jahre, macht eine Ausbildung zum Schreiner

«Ich heisse Asmerom Habtemariam, bin 24 Jahre alt und komme aus Eritrea. Im Juli 2016 habe ich ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt, und im März 2018 wurde ich als Flüchtling anerkannt. Dank Démarche konnte ich ein sechswöchiges Praktikum als Schreinerpraktiker in Ecublens machen. Mein Chef war sehr zufrieden mit meiner Arbeit und hat mir einen Ausbildungsplatz angeboten. Im August 2018 werde ich meine Lehre dort beginnen. Gleichzeitig werde ich auch einmal wöchentlich Kurse an der Gewerblichen und Industriellen Berufsfachschule Fribourg belegen. Ich mag es sehr, mit Holz zu arbeiten, etwas herzustellen, zusammenzubauen und den Rohstoff Holz in schöne Dinge zu verwandeln. Aktuell fertigen wir Schränke für eine Schule an und müssen bis zum Ende des Jahres 800 Stück davon gebaut haben.»

Marta Haile, macht eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte

«Ich heisse Marta Haile und komme aus Eritrea. In meiner Heimat habe ich an der Universität Biowissenschaften studiert. Um für mein politisches Engagement nicht ins Gefängnis zu müssen, entschloss ich mich zu fliehen. Ich bin im September 2015 in die Schweiz gekommen. Seit März 2016 wohne ich im Rahmen des «Gastfamilien»-Projekts der Schweizerischen Flüchtlingshilfe bei Cécile. Cécile hat mich bei der Suche nach einer Praktikumsstelle und bei den Vorbereitungen auf die Vorstellungsgespräche unterstützt. Einen Ausbildungsplatz als kaufmännische Angestellte habe ich dann aus eigener Kraft gefunden; im August 2018 werde ich die Ausbildung beginnen. Ich werde dabei verschiedene Bereiche kennenlernen, zum Beispiel Empfang, Verwaltung, Buchführung und Personalwesen. Nach meiner dreijährigen Lehrzeit möchte ich das Studium in der Buchführung fortsetzen.»