Freiwillige springen in die Bresche, wenn staatliche Mittel fehlen

Das Luzerner Parlament hat im Herbst 2017 für den Asylbereich 1,3 Millionen Franken gestrichen und das Mandat 2016 an die SFH-Mitgliedorganisation Caritas für die Betreuung von Asylsuchenden gekündigt. Die Folgen sind zu wenig Betreuung für eine erfolgreiche Integration, kaum finanzielle Mittel, Orientierungslosigkeit unter den Direktbetroffenen und jenen, die sich freiwillig für sie einsetzen.

«Der Kanton Luzern hat wieder ein Budget. Ein schmales für die Flüchtlinge, ein enges für die Asylsuchenden und ein dünnes für die Menschen in der Nothilfe. So will es die Luzerner Regierung, so will es die grosse Mehrheit im Kantonsparlament», schrieb die Gruppierung Asylnetz Luzern Ende September 2017. «Für uns vom Asylnetz heisst das, wir müssen uns weiter engagieren, wir müssen gar unsere Aktivitäten ausbauen.»

Was ist seither passiert? Janine Junker arbeitet seit vielen Jahren im Vorstand mit und gibt Auskunft.

Foto: SFH/ Barbara Graf Mousa

Von Barbara Graf Mousa, verantwortliche Redaktorin SFH


Als eine Massnahme gegen die Mittelkürzungen haben Freiwillige von verschiedensten Gruppierungen, Vereinen, Hilfswerken und Kirchen die neue Anlaufstelle für geflüchtete Menschen SOLINETZ LUZERN gegründet.

Janine Junker: Es ist ein Pilotversuch. Jeden Freitag können Asylsuchende und Flüchtlinge von 14.00 bis 17.00 zu Beratungsgesprächen ins HelloWellcome am Kaufmannweg kommen. In den nächsten Wochen betreuen Aktivistinnen und Aktivisten von diversen Gruppierungen freiwillig die Anlaufstelle. Das Asylnetz ist auch dabei.Die Menschen brauchen Informationen in rechtlichen Belangen, sind angewiesen auf Unterstützung beim Familiennachzug, in der Wohnungssuche, der Arbeit, bei Versicherungen usw. Deshalb wurde diese neue Anlaufstelle gegründet. Denn der Kanton hat unter anderem die Deutschkurse und das Wohnungsgeld gekürzt und die Sozialbetreuung und Ausbildungskurse wie zum Beispiel den Gastro- oder Baukurs gestrichen.

Nicht jede und jeder will sich freiwillig sich für Asylsuchende und Flüchtlinge engagieren. Was sind Ihre persönlichen Gründe für diesen Einsatz?

Janine Junker: Ich bin Sozialarbeiterin von Beruf, bin ein empathischer Mensch, kann mich aber auch gut abgrenzen. Als ich noch in St. Gallen lebte, hatte ich Zeit und Lust mich dem Solidaritätsnetz Ostschweiz anzuschliessen. Ich habe jeweils für 20 bis 30 Flüchtlinge gekocht. Als Freiwillige ist es möglich, neue Projekte zu lancieren ohne strukturelle Hemmnisse.

Was tun Sie heute genau?

Janine Junker: Das Asylnetz Luzern hat ebenfalls einen Mittagstisch vor allem für die Menschen, die in der Nothilfe sind. Als Projektleiterin habe ich ein Deutschangebot aufgebaut, lernte Deutsch zu unterrichten und Freiwillige zu koordinieren. Ich engagiere mich vor allem für Frauen in der Nothilfe, alleinerziehende Frauen und für Kinder und Jugendliche. Zum Beispiel haben wir mit einem alleinerziehenden Mann und seinem 11 Jahre alten Junge eine Petition gestartet.

Im Gegensatz zu den zwei vergangen Jahren erlebt die Solidarität mit Schutzsuchenden in diesem Jahre nicht gerade eine Hochkonjunktur. Und doch springen auch heute wie in Luzern immer wieder Freiwillige spontan und rasch in die Bresche, wenn staatliche Mittel gekürzt werden oder fehlen. Aus welchen Gründen wohl? Was hören Sie in Ihrem Team darüber?

Janine Junker: Sobald es um Kinder geht, ist die Solidarität gross. Aber auch Flüchtlingsfrauen werden in ihrem Alltag gerne unterstützt und erfahren viel Verständnis. Die Frauen wollen Nähen, Stricken lernen, brauchen für sich und die Kinder Kleider, Hilfe beim Briefe lesen, Begleitung zum Frauenarzt und vieles mehr.

Und was motiviert Sie persönlich?

Janine Junker: Meine Freunde und meine Familie unterstützen mein Engagement. Andere negative Stimmen oder Leserbriefe überhöre ich. Denn das Positive überwiegt. Mit den geflüchteten Menschen sind mittlerweile bleibende Freundschaften entstanden, das ist sehr schön und motivierend.

Wir danken Janine Junker für das Gespräch!