Der 29-jährige Yohanes Yemane aus Äthiopien macht eine einjährige Integrationsvorlehre als Logistiker.

Durch Arbeit neue Hoffnung schöpfen

Mit der Integrationsvorlehre werden Flüchtlinge auf eine Berufslehre vorbereitet.

Flüchtlinge, die in der Schweiz den Schutzstatus bekommen und hier als anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene bleiben dürfen, bringen in der Regel auch berufliche Erfahrungen aus ihrem Heimatland mit – dies jedoch mit ganz unterschiedlichem Bildungshintergrund. Die einen haben im Herkunftsland ein Studium absolviert, andere haben keine berufliche Ausbildung und nicht einmal die Schule besucht. Oft sind die Fähigkeiten nicht dokumentiert oder die Ausbildungen werden in der Schweiz nicht anerkannt. Für alle aber gilt: Ein selbstbestimmtes Leben in der Schweiz bedingt eine berufliche Integration, um nicht von der Sozialhilfe abhängig zu sein.

Ohne gezielte Unterstützung können Asylsuchende diese Unabhängigkeit nur schwerlich erreichen; die Einstiegshürde ist zu hoch, auch wenn sie in der Schweiz schon gejobbt oder ein Praktikum absolviert haben. Für einen nachhaltigen Erfolg auf den Arbeitsmarkt reicht das nicht. Das Risiko, ohne anerkannten Abschluss später wenig oder nichts zu verdienen und in der Sozialhilfe zu landen, ist gross.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe unterstützt deshalb die Einführung von einjährigen «Integrationsvorlehren» in denen anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene eine allererste Grundausbildung erhalten, ein Praktikum absolvieren und eine Landessprache erlernen. In einer solchen Integrationsvorlehre können sich Flüchtlinge, in Branchen, in denen einen entsprechende Nachfrage nach Auszubildenden besteht, die Grundlagen erarbeiten, um danach in einer Lehre ein eidgenössisches Attest oder ein Fähigkeitszeugnis zu erlangen.

Der Start ist gelungen

Einzelne Kantone und Unternehmen haben mit der Integrationsvorlehre bereits begonnen. An der gewerblich-industriellen Berufsfachschule in Ziegelbrücke im Kanton Glarus zum Beispiel, nehmen seit Herbst 2016 zwölf Flüchtlinge an einem Berufseinführungsprogramm teil.

Die Logistikfirma Planzer hat ein Pilotprojekt gestartet

Das Transportunternehmen Planzer bietet ab Sommer 2016 auch eine einjährige Integrationsvorlehre im Bereich Logistik, Warenlager. Dass es dieses Angebot heute gibt, ist der Initiative des Familienunternehmens zu verdanken. «Wir beschlossen, dass wir unsere soziale Verantwortung wahrnehmen und etwas zur Integration von Flüchtlingen beitragen wollen», kommentiert die Familie Planze.

Das Pilotprojekt startete im August 2016. Die Integrationsvorlehrlinge begannen zu arbeiten und besuchten während durchschnittlich anderthalb Tagen pro Woche die Berufsschule. Die Lernenden wurden in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählt. Zuerst wurden Sprachkenntnisse und Motivation abgeklärt, daraufhin bei der Firma Planzer Schnuppereinsätze und teilweise längere Praktika absolviert. Von 14 Interessierten schafften 9 den Sprung in die Integrationsvorlehre. Neun Monate nach Beginn sind sowohl die Arbeitgeberin als auch die Lernenden sehr zufrieden.

«Diese Ausbildung hat mir ein Tor geöffnet»

Yohannes Yemane strahlt. Dass er bei der Transportfirma Planzer eine Ausbildung machen kann, hat sein Leben verändert. Geboren in Eritrea, flüchtete Yemane Anfang der 1990er-Jahre als Kleinkind mit seiner Familie über die Grenze nach Äthiopien. Der Ausbruch des Eritrea-Äthiopien-Krieges 1998 machte rund eine Million Eritreer zu Flüchtlingen, darunter auch Yemane, der in der Schweiz Zuflucht suchte.