Kinder nicht mehr nach Italien zurückschicken

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH begrüsst das vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte EGMR erlassene Urteil betreffend die Überstellung einer afghanischen Familie von der Schweiz nach Italien. Es bestätigt vollumfänglich die Einschätzungen der SFH, die im Oktober 2013 einen Bericht über die fehlenden und teilweise auch unangemessenen Aufnahmestrukturen in Italien publiziert hat. Die Position von Kindern wird explizit gestärkt, denn die Behörden müssen bei Überstellungen nach Italien die Situation bei Familien ganz besonders sorgfältig prüfen. Das Urteil stärkt das Dublin-System.

Aufnahmebedingungen in Italien für Familien unhaltbar
Das Urteil des EGMR verlangt vor einer Überstellung nach Italien die individuelle Prüfung des Falles und verlangt von Italien eine Garantie für eine menschenwürdige Unterbringung im konkreten Einzelfall. Besonderes Gewicht wird dabei dem Kindeswohl eingeräumt. Der Gerichtshof erachtet die Aufnahmebedingungen für diese Personengruppe als menschenunwürdig. Die SFH fordert deshalb einen sofortigen Stopp der Rückführungen von Familien nach Italien bis sich die dortigen Verhältnisse nachhaltig gebessert haben.

Zu lange Verfahrensdauer
Die SFH kritisiert die überlange Verfahrensdauer von drei Jahren. Die Schweizer Behörden hätten viel Leid vermeiden können, wenn sie von Beginn weg das Asylgesuch behandelt hätten. Die SFH erwartet deshalb, dass das Verfahren der afghanischen Familie unverzüglich an die Hand genommen wird.

Italien-Bericht der SFH
Der von der SFH im Oktober 2013 publizierte Bericht über die fehlenden und unangemessenen Aufnahmestrukturen in Italien ist als Download verfügbar.

Rückfragen:
Stefan Frey, Mediensprecher, Tel. 031 370 75 75 oder Tel. 079 509 47 89,
stefan.frey@fluechtlingshilfe.ch.

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