Gemeinsam schaffen wir es! Die Schweiz begeht die Flüchtlingstage 2013

Arbeit bedeutet mehr als finanzielle Unabhängigkeit: Wer arbeitet, wird anerkannt und gehört dazu. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH), das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und das Bundesamt für Migration (BFM) wollen an den Flüchtlingstagen 2013 aufzeigen, was Wirtschaft und Gesellschaft gewinnen, wenn Flüchtlinge bei uns nicht nur Schutz, sondern auch Arbeit finden. Deshalb stehen die diesjährigen Flüchtlingstage unter dem Motto „Gemeinsam schaffen wir es“, Auftakt bildet die heutige Veranstaltung in Bern.

„Wirtschaft und Gesellschaft können dank gut integrierter Flüchtlinge nur gewinnen. Die Flüchtlingstage 2013 stehen denn auch ganz im Zeichen der Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in die Arbeitswelt,“ führte Beat Meiner, Generalsekretär der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH anlässlich der Auftaktveranstaltung vom Dienstag in Bern aus. Die Partnerschaft der drei Trägerorganisationen SFH, UNHCR und BFM sei eine Chance, den Anliegen der Flüchtlinge eine verstärkte Beachtung zu verschaffen. Auch in dieser Partnerschaft komme das Motto der diesjährigen Flüchtlingstage zum Ausdruck: Gemeinsam schaffen wir es.

Verhältnisse ins richtige Licht rücken
Die Integration fremder Menschen im allgemeinen und in die Berufswelt im besonderen wird in Europa und in der Schweiz von der Angst behindert, Flüchtlinge würden uns überrennen. Susin Park vom Schweizer Büro des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge UNHCR in Genf rückte diese in das Licht der Wirklichkeit mit dem Vergleich zwischen dem Libanon und der Schweiz. „Das kleine Libanon mit 4 Millionen Menschen“, rechnete sie vor, habe innerhalb eines Jahres 400‘000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Man stelle sich vor, was es für die Schweiz bedeuten würde, „wenn wir 800‘000 Flüchtlinge in einem Jahr aufnehmen müssten – 10 Prozent der Gesamtbevölkerung“, wie im Libanon. Tatsächlich machen in der Schweiz anerkannte Flüchtlinge, vorläufig Aufgenommene Kriegs- und Gewaltvertriebene und Asylsuchende zusammen „nicht einmal 1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus – dies obwohl in den letzten Jahren im Schnitt die Hälfte der Asylgesuchsteller in der Schweiz als schutzbedürftig anerkannt wurden.

Win-Win-Situation
Die berufliche Integration von Flüchtlingen gelingt oft nicht. Dafür gibt es verschiedene Gründe. „Zum Beispiel Vorurteile oder die Schwierigkeit, berufliche Qualifikationen und Erfahrungen anerkennen zu lassen“, wie BFM-Direktor Mario Gattiker ausführte. Das BFM will mit eigenen Projekten Gegensteuer geben. So ziele das Projekt „Potenziale nutzen“, das in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hilfswerken läuft, darauf ab, Diplome und Berufserfahrungen von Flüchtlingen anerkennen zu lassen und diese Personen bei der Arbeitssuche oder in der beruflichen Ausbildung, die ihrer Erfahrung entspreche, zu unterstützen.
„Allerdings nützen die besten Programme und Projekte wenig, wenn die Arbeitgeber nicht mitziehen“, gab Gattiker zu bedenken. Viele Arbeitgeber wüssten zum Beispiel nicht, dass vorläufig Aufgenommene arbeiten dürfen. Deshalb habe der Bund eine Info-Broschüre für sie verfasst. Der BFM-Direktor rief in Erinnerung, dass Bund, Kantone, Städte und Gemeinden seit letztem Herbst einen Dialog mit der Privatwirtschaft führen, um die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern – auch für Flüchtlinge.
„Die Flüchtlingstage“, so schloss Mario Gattiker, „sollen der Bevölkerung und den Arbeitgebern vor Augen führen, dass Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene ihren Beitrag an die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft leisten wollen und auch leisten können.“

Das Gesicht der Flüchtlingstage 2013
Dass die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den Arbeitsprozess funktioniert, wird gleichsam durch das „Gesicht“ der diesjährigen Kampagne verkörpert. Der 41jährige, gebürtige Tamile Ramanathas Sathiyanathan kam mit 17 Jahren in die Schweiz und arbeitet heute erfolgreich bei einem Schweizer Traditionsunternehmen im Emmental als Schichtleiter. Sein Arbeitgeber PB Swiss Tools gehört zu denjenigen Unternehmen, die das Potenzial von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen erkannt haben und ihnen zum beidseitigen Gewinn auch eine Arbeitsstelle anbieten.
Die Flüchtlingstage sind auch online präsent: Unter www.fluechtlingstage.ch finden sich Informationen zur Kampagne «Gemeinsam schaffen wir es!», Clips, Videoporträts von Flüchtlingen, die Liste der Veranstaltungen über den ganzen Monat Juni mit weiterführenden Links sowie ein Reportage über das von Parlamentarierinnen und Parlamentariern zum Auftakt der Flüchtlingstage in Bern durchgeführte Fluchtspiel aus dem Bildungsangebot der SFH.
Die Flüchtlingstage finden am Samstag, 15. (Nationaler Tag des Flüchtlings), am Sonntag, 16. (Flüchtlingssonntag) und am Donnerstag, 20. Juni (Weltflüchtlingstag) statt.

Die SFH ist während den Flüchtlingstagen an folgenden Standorten mit Standaktionen präsent: am 15. Juni 2013 in Bern (St. Peter und Paul Kirche, Rathausgasse 2. 16–20 Uhr), in Biel (Le Pavillon, Zentralstrasse 63, 13.30–22 Uhr) und in Luzern (Kapellplatz, 09.30–18 Uhr) sowie am 22. Juni in Lausanne (Place de l’Europe, 09–01 Uhr) und in Visp (Kaufplatz, ab 11.30 Uhr).

Für weiterführende Informationen wenden Sie sich bitte an:

Lorenz Lüthi, Projektleiter Flüchtlingstage 2013, Tel. 031 370 75 75, lorenz.luethi@fluechtlingshilfe.ch

Stefan Frey, Mediensprecher SFH, Tel. 031 370 75 75 oder 079 509 47 89, stefan.frey@fluechtlingshilfe.ch

Gaby Szöllösy, Chefin Information & Kommunikation BFM, Tel. 031 325 98 80, gaby.szoelloesy@bfm.admin.ch

Pascal Schwendener, Kommunikationsverantwortlicher UNHCR Schweiz
Tel. 022 739 85 69, schwende@unhcr.org

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