Das schreckliche Schicksal der Eritreer

Eritreische Flüchtlinge werden auf ihrer Flucht von Menschenschmugglern gekidnappt, gefoltert und erpresst. Wer nicht zahlt, wird umgebracht und seiner Organe beraubt. Derweil debattiert der Nationalrat inakzeptable Beschränkungen des Flüchtlingsschutzes. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH verurteilt das Ansinnen, zentrale Instrumente wie das Botschaftsverfahren, den Familiennachzug sowie Dienstverweigerung als Fluchtgrund abzuschaffen.

Während der Nationalrat in dieser Woche über die Abschaffung der Familienzusammenführung von Flüchtlingen und über die Streichung des Botschaftsverfahrens debattiert sowie Militärdienstverweigerung und Desertion als Fluchtgrund verbieten will, verschlimmert sich stetig ein schreckliches und von der Weltöffentlichkeit kaum beachtetes Flüchtlingsdrama. Es betrifft hauptsächlich Menschen aus Eritrea, deren Asylgesuche in der Schweiz in den vergangenen Monaten überproportional angestiegen sind.

Laut Agenturberichten und Angaben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge UNHCR nimmt der Exodus aus Eritrea laufend zu. Mindestens 2000 Menschen jeden Monat, meist Männer, die den Militärdienst verweigern, mit ihren Angehörigen, verlassen das Land. Auf dem Fluchtweg und selbst aus den zahlreichen Flüchtlingslagern im Osten des Sudan, werden die Schutzlosen von gut organisierten Schleppern und Menschenhändlern gekidnappt und mit grausamster Folter zu Lösegeldzahlungen durch Verwandte im Ausland erpresst. Je schrecklicher ihre Schreie am Telefon, desto schneller sind die Angehörigen bereit, zwischen 5000 bis zu 40’000 Dollar zu zahlen.

«Die Flüchtlinge glauben, sie kauften einen simplen Grenzübertritt in die Freiheit via Sudan in ein sicheres Land, nach Israel, Europa oder Australien. Stattdessen werden sie eingesperrt und angekettet, mit Eisenstangen geschlagen und mit Elektroschocks gequält. Frauen werden systematisch vergewaltigt», sagte im Februar UNHCR-Chefsprecherin Melissa Fleming. Die Menschenschmuggler profitierten vom anhaltenden Flüchtlingsstrom aus Eritrea und hätten ihr «Geschäft» ins lukrativere Erpressen von Lösegeldern ausgeweitet.

Einige der Flüchtlinge werden in Ägypten an Beduinenclans übergeben oder verkauft. Die Beduinen halten sie auf dem Weg durch den Sinai gefangen, bis sie Lösegelder zahlen. Falls nicht, werden sie als Sklaven gehalten oder ermordet und ihre Organe verkauft. Endlich am Grenzzaun von Israel angekommen, droht ihnen der Tod durch die ägyptischen Grenzwächter. Sie haben den Befehl «shoot to kill». In letzter Zeit verschärft sich auch ihre Lage in Israel, wo die Flüchtlinge unerwünscht sind und es bereits zu Übergriffen auf die schwarzen Einwanderer kam. Israel plant ihre Aussonderung in ein grosses Flüchtlingslager an der Grenze. Bereits im Januar bezeichnete UNO-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres nach einem Gang durch das ostsudanesische Flüchtlingslager Shagarab die Lage als «extrem ernst».

Die SFH fordert das Parlament auf, die zentralen Instrumente des Schweizer Asylwesens unbedingt zu bewahren. Denn die schutzlosen Flüchtlinge, unter ihnen viele Frauen und Kinder, sind auf die Hilfe der Schweiz dringend angewiesen.

Rückfragen:
Beat Meiner, Generalsekretär SFH, Tel. 031 370 75 75 oder 079 558 38 59, beat.meiner@fluechtlingshilfe.ch.

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