Keine Wegweisungen nach Sri Lanka

Der Bürgerkrieg ist offiziell seit Mai 2009 beendet. Doch von stabilem Frieden kann in Sri Lanka keine Rede sein. Noch immer leiden grosse Teile der tamilischen Bevölkerung unter Verfolgung und Vertreibung. Asylgesuche aus Sri Lanka sollten zügig bearbeitet werden, den Gesuchstellenden ist Asyl oder zumindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Tamilinnen und Tamilen aus dem Norden und Osten Sri Lankas können Opfer zielgerichteter, asylrelevanter Menschenrechtsverletzungen werden, wie die aktuelle Position der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH über die Situation in Sri Lanka aufzeigt. Solche Personen erfüllen daher die Flüchtlingseigenschaft und dürfen nicht aus der Schweiz weggewiesen werden. Alle Personen, die für die LTTE tätig waren oder im Verdacht stehen, mit ihr sympathisiert zu haben, sowie auch deren Angehörige müssen mit Verfolgung, Verhaftung, Folter bis hin zu extralegaler Tötung durch sri-lankische Sicherheitskräfte rechnen. Dies gilt insbesondere auch, wenn diese Personen bereits in einem Lager (so genannte Welfare Centers oder Rehabilitation Camps) der Regierung festgehalten wurden. Der sri-lankische Staat hat Zugriff auf alle Landesteile und sucht intensiv nach LTTE-Mitgliedern und ihren Sympathisanten.

Weitere gefährdete Personen sind Medienschaffende und PolitikerInnen, die sich regierungskritisch äussern oder sich für die Sache der tamilischen Bevölkerung einsetzen. Diese werden staatsfeindlicher Informationen bezichtigt und müssen mit gezielten Belästigungen, Angriffen, Todesdrohungen, Entführungen und Verschwindenlassen rechnen. Insbesondere sind auch Personen in Gefahr, die sich im humanitären Bereich für die Belange der tamilischen Bevölkerung einsetzen (Mitarbeitende von Hilfswerken, Menschenrechtsaktivsten).

Grosse Teile der tamilischen Bevölkerung aus den Nord- und Ostteilen des Landes wurden während des Bürgerkrieges vertrieben. Sie finden auch in Colombo keine zumutbaren Lebensbedingungen vor und sind deshalb zu schützen.

Für viele Asylsuchende aus Sri Lanka ist die Antragstellung bei der Schweizer Botschaft in Colombo der einzige Weg, um das Land legal verlassen zu können. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH ruft die Schweizer Behörden deshalb dringend dazu auf, alle Asylgesuche von Flüchtlingen aus Sri Lanka zügig zu behandeln.

Rückfragen:
Adrian Hauser, Mediensprecher, Tel. 031 370 75 72 oder Mobile 079 558 38 59, adrian.hauser@fluechtlingshilfe.ch.

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