Flüchtlinge brauchen Schutz, keine Vorurteile – Kampagne zum Tag des Flüchtlings 2009

Mit ihrer diesjährigen Plakatkampagne zum Tag des Flüchtlings provoziert die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH eine breite öffentliche Diskussion über Vorurteile, denen Flüchtlinge tagtäglich ausgesetzt sind. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration BFM, dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR und der Fachstelle für Rassismusbekämpfung FRB setzt die SFH damit ein in der ganzen Schweiz sichtbares Zeichen gegen pauschale Urteile, Abwertungen und Diskriminierungen.

Seit jeher gewährt die Schweiz verfolgten Menschen Schutz und Hilfe. Diese humanitäre Tradition ist heute zwar durch völkerrechtliche Verträge gesichert, beruht jedoch in erster Linie auf der Bereitschaft der einheimischen Bevölkerung, Flüchtlinge, die in der Schweiz Asyl erhalten haben, aufzunehmen und an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Die natürliche Bereitschaft, Menschen in Not zu helfen, wird jedoch zunehmend durch – teilweise sogar bewusst geschürte – Ängste und pauschale Vorurteile behindert.

«Alles Lügner?» «Alles Profiteure?» «Alles Dealer?» – diese provozierenden Fragen sollen zum Nachdenken anregen. Wie ist es möglich, dass die Flüchtlinge aus Ländern wie Somalia, Eritrea, Irak, Afghanistan oder Sri Lanka, deren Schicksal wir in den Medien täglich mit Betroffenheit und Anteilnahme verfolgen, plötzlich zu Lügnern, Profiteuren und Dealern werden, kaum klopfen sie an unsere Tür? An einer gemeinsamen Medienkonferenz mit dem Bundesamt für Migration BFM, dem UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR und der Fachstelle für Rassismusbekämpfung FRB stellte die SFH klar: Anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene brauchen Schutz, keine weiteren Verletzungen etwa durch pauschale Urteile, Abwertungen und Diskriminierungen.

Der Generalsekretär der SFH, Beat Meiner, stellte die Fakten und Informationen vor, mit denen die SFH die in den Fragen auf den Kampagnen-Plakaten aufschei-nenden Vorurteile klar widerlegen kann. Tatsache ist, dass Flüchtlinge und Asylsuchende Menschen sind wie du und ich. Es handelt sich grossmehrheitlich um ehrliche, rechtschaffene Leute, die sich bei uns ein neues Leben aufbauen wollen. Sie wollen arbeiten, ihren Kindern eine gute Bildung und Berufschancen ermöglichen und in Frieden und Sicherheit ein selbstverantwortliches Leben führen.

Mario Gattiker, Vizedirektor des BFM, führte aus, dass Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen namentlich bei der Integration in den Arbeitsmarkt mit erheblichen Problemen zu kämpfen haben. Der neue Informationsauftrag des BFM bezwecke daher, den Wissensstand über Migration und Asyl insgesamt zu verbes-sern, Ängste abzubauen, Vorurteilen zu begegnen und Diskriminierungen vorzubeugen. Information sei so besehen auch ein Schlüsselfaktor für eine gelungene Integration.

Michele Galizia, Leiter der Fachstelle für Rassismusbekämpfung, warnte davor, dass zentrale schweizerische Werte wie Menschlichkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit und Redlichkeit durch das ständige Wiederholen und Einhämmern von pauschalen Vorurteilen untergraben und hintergangen würden. Er forderte eine langfristige, sachliche und konstruktive Informationspolitik, die Probleme nicht schwarzmale, sondern anspreche und anhand konkreter Lösungsvorschläge ernst nehme.

In Hinblick auf den Weltflüchtlingstag vom 20. Juni erinnerte Hans Lunshof, Leiter des UNHCR-Verbindungsbüros für die Schweiz und Liechtenstein, an die reale Notlage aller Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. Er rief dazu auf, internationale Solidarität zu zeigen und Flüchtlinge, die keinen Zugang zu einer anderen dauerhaften Lösung wie Heimkehr oder Integration im Erstasylstaat haben, aufzunehmen und ihnen eine neue Lebensperspektive zu ermöglichen.

Der Flüchtlingstag ist ein Tag der Besinnung: Er steht im Zeichen der zurzeit rund
67 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. In der Schweiz wird der nationale Flüchtlingstag jeweils am dritten Samstag im Juni gefeiert. Dieses Jahr fällt er am 20 Juni mit dem Weltflüchtlingstag zusammen. Am Wochenende vom 20./21. Juni werden weltweit, aber auch in zahlreichen Schweizer Städten und Gemeinden, Veranstaltungen für die Rechte und Anliegen der Flüchtlinge stattfinden. Mehr Infos unter www.fluechtlingstag.ch.

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