Roma in Kosovo zwischen Hammer und Amboss

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH hält die von den Schweizer Behörden beabsichtigte Wegweisung von Roma nach Kosovo für unverantwortlich. Die dortigen Roma-Gemeinschaften haben nach wie vor mit äusserst prekären Lebensbedingungen zu kämpfen, ihre Zukunft ist mehr als düster.

Die Schweiz hat Kosovo im Februar 2008 als unabhängigen Staat offiziell anerkannt – für das Bundesamt für Migration (BFM) Anlass, die Wegweisungspraxis für ethnische Minderheiten aus Kosovo – Serben, slawische Moslems, serbisch- und albanischsprachige Roma, Ashkali und «Ägypter» – zu verschärfen. Das BFM vertritt die Position, dass Angehörige von Minderheiten, die der serbischen Sprache mächtig sind, sich künftig im separatistischen Norden Kosovos oder in Serbien selbst ansiedeln können. Die Betroffenen, die nicht der Gruppe verletzlicher Personen angehören, haben allen Grund zu befürchten, dass ihre Wegweisung als zumutbar eingestuft wird.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH teilt diese Befürchtung. Sie warnt vor den dramatischen Folgen für die ohnehin schon stark diskriminierten Roma-Gemeinschaften in Kosovo, die zu schwach sind, ihre eigenen Interessen zu verteidigen.

Die Roma in Kosovo sind mit extrem unsicheren und menschenunwürdigen Lebensbedingungen konfrontiert. Ihre relative Sicherheit rührt daher, dass sich ihr Lebensraum auf speziell eingerichtete Lager und Enklaven beschränkt. Diese gesellschaftliche Isolierung erschwert aber den Zugang zu sozialen Institutionen, Schulen und medizinischer Versorgung. Die Lage der Roma-Gemeinschaften im serbisch dominierten Norden Kosovos und in Serbien ist nicht minder besorgniserregend.

Die Bemühungen der letzten Jahre, die Situation der Roma-Gemeinschaften zu verbessern, halten sich in engen Grenzen. Insbesondere die Errichtung von Unterkünften für umgesiedelte Personen steckt noch in den Kinderschuhen – die geplanten Wegweisungen dürften die Wohnungsnot zusätzlich verschärfen. Und: Von einer valablen Zufluchtsalternative im Norden Kosovos und in Serbien kann keine Rede sein.

Die Unabhängigkeitserklärung Kosovos wird die Situation der Roma-Gemeinschaften zweifellos noch verschlimmern. Die internationalen Akteure werden ihre Präsenz verringern, während gleichzeitig die Spannungen zwischen Serben und Albanern zunehmen. Es bleibt zu befürchten, dass einmal mehr die Roma-Gemeinschaften in Kosovo die grossen Verliererinnen sind: bar jeglicher Mittel und ohne starke Interessenvertretung.

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Yann Golay, Mediensprecher, Tel. 031 370 75 67 oder 079 708 99 26.

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