Foto: Bern Konrad/SFH/

Informationen zur Einreise syrischer Schutzsuchender

1. Humanitäre Aufnahmeaktion

Die Schweiz will im Verlauf der kommenden drei Jahre 3000 Flüchtlngen aus dem Syrienkonflikt schrittweise die legale Einreise in die Schweiz ermöglichen. Dies hat der Bundesrat bereits im März 2015 beschlossen. Maximal 1000 Personen sollen noch in diesem Jahr aufgenommen werden. 

Diese humanitäre Aufnahmeaktion geschieht in Zusammenarbeit mit dem UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und umfasst zwei Massnahmen:

a) 2000 besonders schutzbedürftige Menschen aus dem Syrienkonflikt sollen Im Rahmen einer dauerhaften Aufnahme (Resettlement) in der Schweiz bleiben können. Sie erhalten den Flüchlingsstatus und durchlaufen deshalb kein ordentliches Asylverfahren. 

b) Weitere 1000 Schutzbedürftige sollen ein humanitäres Visum erhalten, um sicher in die Schweiz einreisen zu können. Diese Massnahme richtet sich ausdrücklich an die engsten Familienangehörigen (Ehegatten und minderjährige Kinder) von Vertriebenen, die bereits vorläufig aufgenommen worden sind und in der Schweiz leben (Ausweis F). Die Gesuche müssen beim Staatssekretariat für Migration (SEM) eingereicht werden (siehe nebenstehenden Artikel).

2. Humanitäre Visa

Bisher wurden humanitäre Visa nur in sehr wenigen Fällen ausgestellt. Die Chance, ein solches Visum zu erhalten, ist daher sehr klein! Deshalb ist es äusserst wichtig, die mit einer Gesuchstellung verbundenen Risiken abzuwägen (beispielsweise die Ausreise in einen Nachbarstaat).

Ein humanitäres Visum kann erteilt werden, wenn jemand unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und Leben gefährdet ist. Die Person muss sich in einer besonderen Notsituation befinden. Dies kann etwa bei kriegerischen Ereignissen der Fall sein oder bei einer unmittelbaren individuellen Gefährdung.

Befindet sich die Person bereits in einem Drittstaat, gehen die Behörden in der Regel davon aus, dass keine Gefährdung mehr besteht. Da es keine Botschaft in Syrien mehr gibt, befinden sich automatisch alle Personen, die bei einer Schweizer Botschaft ein humanitäres Visum beantragen, in einem Drittland. In diesen Fällen wird kein humanitäres Visum erteilt. Syrerinnen und Syrer haben daher kaum Chancen auf die Erteilung eines humanitären Visums und folglich auch kaum Chancen auf eine legale Einreise in die Schweiz.

Weisung des SEM zu humanitären Visa vom 25.02.2014


Ein Antrag muss im Prinzip persönlich auf einer Schweizer Vertretung im Ausland gestellt werden. Dazu muss in der Regel ein Termin vereinbart werden. Am einfachsten ist dies per E-Mail:

Geben Sie dabei an, dass ein humanitäres Visum beantragt wird und welche Person/en einen Visumsantrag stellen möchte/n (Name, Vorname, Geburtsdatum). Falls vorhanden, führen Sie auch Familienangehörige in der Schweiz auf.

Mit dem Termin auf der Botschaft wird Ihnen auch ein Fragebogen zugestellt.  Diesen Fragebogen müssen Sie, zusammen mit dem Visumantragsformular Schengen, ausfüllen und zum Termin mitbringen. Falls Sie erst aus Syrien ausreisen,  um den Termin auf der Botschaft wahrzunehmen und einen Antrag für ein humanitäres Visum zu stellen, sollten Sie das im Fragebogen unbedingt angeben.

Hier finden Sie das Visumantragsformular Schengen für ein humanitäres Visum.


Unter Ziff. 21 «Gründe» muss «andere» angekreuzt werden. Sie müssen erklären, dass es sich um ein Visumsgesuch aus humanitären Gründen handelt, mit Angaben zu Ihrer konkreten Situation, wenn möglich mit Beweismitteln und Identitätsdokumenten.

Grundsätzlich werden keine Gebühren für humanitäre Visa verlangt. Dennoch ist es möglich, dass bei Gesuchen, welche von den Behörden als offensichtlich unbegründet oder als Mehrfachgesuche bei gleichbleibendem Sachverhalt eingeschätzt werden, Visagebühren verlangt werden.

Gegen eine Ablehnung des Visumsgesuchs durch die Schweizer Vertretung kann man innert 30 Tagen Einsprache ans Staatssekretariat für Migration erheben. Das Staatssekretariat für Migration kann einen Kostenvorschuss von 200 Schweizer Franken für eine anfechtbare Verfügung verlangen. Der Betrag ist abhängig von der Anzahl Gesuchsteller.

Falls das Staatssekretariat für Migration das Gesuch ablehnt, kann eine Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht eingereicht werden.

Für weitere Fragen wenden Sie sich an das Staatssekretariat für Migration

3. Familiennachzug innerhalb der Kernfamilie von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Ausländern

Je nach rechtlichem Status der in der Schweiz lebenden Person gelten unterschiedliche Voraussetzungen, um die Kernfamilie (Ehegatte und ledige Kinder unter 18 Jahren) im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz holen zu können:

  • Anerkannte Flüchtlinge, denen Asyl gewährt wurde, können ab der Gewährung des Asyls einen Familiennachzug beantragen.
  • Anerkannte Flüchtlinge, die vorläufig aufgenommen wurden, können frühestens drei Jahre nach Gewährung der vorläufigen Aufnahme einen Familiennachzug beantragen.  Dabei gilt die Voraussetzung, dass sie im gleichen Haushalt leben, über eine geeignete Wohnung verfügen und die Familie nicht von der Sozialhilfe abhängig ist.
  • Vorläufig aufgenommene Ausländer können frühestens drei Jahre nach Gewährung der vorläufigen Aufnahme einen Familiennachzug beantragen. Dabei gilt die Voraussetzung, dass sie im gleichen Haushalt leben, über eine geeignete Wohnung verfügen und die Familie nicht von der Sozialhilfe abhängig ist.

Weitere Informationen finden Sie hier.

4. Visaerleichterung

Vom 4. September bis 29. November 2013 gab es die Möglichkeit, für Verwandte erleichtert Visa zu erhalten. Seitdem werden keine Visa unter erleichterten Voraussetzungen mehr erteilt. Aktuell sind noch Fälle hängig. Für diejenigen Personen, die sich bis am 29. November 2013 bereits bei einer Schweizer Botschaft für den Erhalt eines Besuchervisums angemeldet haben, gelten nach wie vor die erleichterten Regelungen. Die hängigen Gesuche werden so rasch wie möglich behandelt.

Weitere Informationen zur Visaerleichterung