Flüchtlingstage 2013

Gemeinsam schaffen wir es. – So hiess das Motto für die Flüchtlingstage 2013, die am 15. Juni mit dem nationalen Flüchtlingstag, dem Flüchtlingssonntag der Kirchen am 16. Juni und dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni begangen wurden.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH, das Bundesamt für Migration BFM und das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR begingen die Tage auch dieses Jahr gemeinsam. Diese Partnerschaft bietet die Chance, den Anliegen von Flüchtlingen eine verstärkte Beachtung zu verschaffen.

Zum Beispiel mit Ramanatas Sathiyanathan: Er flüchtete als 17-Jähriger aus Sri Lanka in die Schweiz und fand hier Aufnahme. Die Flüchtlingsbehörden schickten ihn tief ins Emmental nach Sumiswald. Dort lebt er seit fast 25 Jahren. Er hat eine Familie gegründet, seine Kinder gehen in die lokalen Schulen. «Sumiswald ist meine Heimat. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, an einen anderen Ort zu ziehen», sagt er.

Lesen Sie das eindrückliche Porträt über Ramanatas Sathiyanathan

Arbeit unterstützt die Integration

Am Anfang dieser erfolgreichen Integrationsgeschichte stehen Sathiyanathans Wille, auf eigenen Beinen zu stehen, und die Offenheit des Schweizer Traditionsbetriebs PB Swiss Tools, der ihm eine Stelle anbot. PB Swiss Tools ist vor allem für die Herstellung der Schraubenzieher mit dem roten Griff bekannt. Weniger geläufig ist die fortschrittliche Personalpolitik des Unternehmens. 

Die Firma beschäftigt ein Dutzend Landsleute von Sathiyanathan, sorgt für Sprachunterricht und nimmt die Chancengerechtigkeit in der beruflichen Entwicklung ernst: Sathiyanathan ist heute Schichtführer. «Wir wollen die Leute ganz bewusst integrieren», sagt die stellvertretende PB Swiss Tools-Geschäftsleiterin Cornelia Krall-Villiger. Das fördere die abteilungsübergreifende Flexibilität, diene dem Betriebsklima und helfe den Leuten auch im praktischen Alltag.

Flüchtlinge dürfen arbeiten

Sathiyanathans Weg zu einer erfolgreichen Integration führte über die Arbeit. Dieser Weg bleibt vielen anerkannten Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Menschen in der Schweiz verwehrt. Vorläufig Aufgenommene sind zwar nicht als Flüchtlinge anerkannt, können aber hier bleiben, zum Beispiel weil in ihrer Heimat Bürgerkrieg herrscht. Für die mangelnde Arbeitsintegration gibt es verschiedene Gründe. Vielen Arbeitgebern ist zu wenig bekannt, dass Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene arbeiten dürfen und dass eine Anstellung administrativ unkompliziert ist. Oder es wird irrtümlicherweise angenommen, dass sie unvermittelt in ihre Heimat zurück geschickt werden könnten und es sich deshalb nicht lohnt, sie einzuarbeiten. 

Manchmal sind auch Vorurteile im Spiel, die sich auf andere Kulturen, Religionen, Hautfarben oder auch auf den Flüchtlingsstatus beziehen. Das war bei Sathiyanathan und seinen Landsleuten am Anfang nicht anders: Richtig akzeptiert wurden sie erst, als sie ihre Fähigkeiten und ihren Leistungswillen am Arbeitsplatz unter Beweis stellen konnten.

Ein Gewinn für alle

Es ist ein Gewinn für die ganze Gesellschaft, wenn die Arbeitswelt Flüchtlinge aufnimmt. Sie selber können sich aus der Abhängigkeit von staatlicher Hilfe lösen und in Würde und Selbstachtung leben. Die Wirtschaft profitiert von ihren Kompetenzen, Erfahrungen und ihrer Motivation. Die Investitionen von Bund, Kantonen und Gemeinden in die Integration zahlen sich aus.

Was können Unternehmen tun?

Unternehmen können in erster Linie Praktikums-, Lehr- oder Arbeitsstellen mit Flüchtlingen oder vorläufig Aufgenommen besetzen. Etliche Betriebe tun dies mit Erfolg, doch bleibt die Nachfrage grösser als das Angebot. Die Anstellung eines Flüchtlings bedeutet für Arbeitgeber keinen zusätzlichen Aufwand, denn sie können eine spezielle Begleitung der neuen Angestellten durch eine Mentorin, einen Mentor oder eine Fachstelle in ihrer Region in Anspruch nehmen. Einzig die Lohn- und Arbeitsbedingungen müssen den orts- und branchenüblichen Verhältnissen entsprechen.

Darüber hinaus können Betriebe Sprach- oder berufliche Weiterbildungskurse anbieten, so dass alle Angestellten, unabhängig von ihrer Herkunft, in der beruflichen Entwicklung die gleichen Chancen haben. Sie können die kulturellen Verschiedenheiten von Angestellten nutzen, die sehr oft einen Wettbewerbsvorteil bringen. Arbeitgeber können sich zudem auf politischer Ebene für die Anliegen der Flüchtlinge stark machen.

Arbeitgeber Thomas Peter, Geschäftsführer der Bruno Peter AG, die in Büren an der Aare Farbkonzentrate für Kunststoffe herstellt: «Die Tatsache, dass jemand Flüchtling ist, gehört meiner Ansicht nach unbedingt in einen Bewerbungslebenslauf. Die Fluchterfahrung und der gesamte Integrationsprozess sind Ressourcen, die für Arbeitgeber interessant sind. Wenn jemand etwa einen beschwerlichen Fluchtweg gemeistert hat, gibt mir das wichtige Informationen, die auf Stärken hinweisen wie etwa Durchhaltevermögen, Flexibilität, Lebenserfahrungen in anderen Ländern. Auch Sprachkenntnisse sowie freiwilliges Engagement sollten unbedingt erwähnt werden im Lebenslauf.»

Von den 150 Mitarbeitenden, die bei PB Swiss Tools in Sumiswald arbeiten, haben 18 Prozent Migrationshintergrund. Sie stellen rund 2200 Werkzeuge für Heimwerker wie für professionelle Handwerker her. Cornelia Krall-Villiger sorgt seit vielen Jahren für eine weitsichtige Personalpolitik mit firmeninternen Integrationsmassnahmen wie z.B. Deutschkurse: «Wir haben gute Erfahrungen gemacht in allen Positionen. Der Erfolg zeigt sich durch eine grosse Firmentreue und -identifikation.» Einige Mitarbeitende begannen bei PB Swiss Tools mit einem Flüchtlingsstatus und haben heute eine Führungsposition inne.

Die Kampagne

Die Schweiz ist zu Recht stolz auf ihre humanitäre Tradition, Flüchtlinge aufzunehmen. Wer hier Schutz findet, soll aber auch die Möglichkeit haben, selbständig für sich und seine Familie zu sorgen. Deshalb möchten die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH, das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR und das Bundesamt für Migration BFM die Unternehmen darin bestärken, Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommen eine faire Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Gemeinsam schaffen wir es!

Gemeinsam schaffen wir es – Das Video zu den Flüchtlingstagen 2013

Gedreht im Mai in Sumiswald, BE bei PB Swiss Tools. Regie / Kamera  Sean Wirz; Choreografie Lucia Baumgartner; Musik: Aschbacher+Hägler; Produktion YAK Film GmbH; www.yak.ch