Flüchtlingstage 2012

Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene in der Schweiz leisten Bedeutendes für die Gesellschaft und in der Berufswelt – zum Gewinn für uns alle. Die Flüchtlingstage am 16., 17. und 20. Juni 2012 standen ganz im Zeichen dieser Leistungen.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH, das Bundesamt für Migration BFM und das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR begehen die Tage auch dieses Jahr gemeinsam. Diese Partnerschaft bietet die Chance, den Anliegen von Flüchtlingen eine verstärkte Beachtung zu verschaffen.

Konkret will die diesjährige Kampagne folgende Botschaften vermitteln:

  • Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene leisten einen wertvollen Beitrag zur Schweizer Berufswelt und Gesellschaft.
  • Flüchtlinge haben der Schweiz viel zu geben: Talent, Berufserfahrung, Motivation und die Begeisterung darüber, dass sie hier Möglichkeiten und Chancen haben, von denen sie in ihrer ehemaligen Heimat oft nur träumen konnten.
  • Flüchtlinge sollen sich in der Schweiz willkommen, wohl und sicher fühlen. Dies erleichtert ihre Integration.

Flüchtlinge brauchen unser Engagement

Anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sind nicht ohne triftigen Grund in die Schweiz gekommen. Sie sind hier, weil es keinen anderen Ausweg gab, um der Not durch Krieg und Verfolgung zu entfliehen. Dabei mussten sie alles zurücklassen. In der Schweiz können sie neue Perspektiven entwickeln und ein neues Leben beginnen. Doch das ist nicht einfach, denn sie müssen viele Hürden überwinden. Die Integration ist ein langwieriger und anspruchsvoller Prozess. Die Sprache ist dabei eine Schlüsselkompetenz, um sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Berufliche Perspektive

Anerkannte Flüchtlinge sind in ihrer Heimat verfolgt worden. Auch vorläufig Aufgenommene können beispielsweise wegen Krieg oder Terror nicht zurück. Sie bleiben langfristig in der Schweiz und dürfen hier arbeiten, vorausgesetzt, sie haben einen rechtmässigen Arbeitsvertrag. Im Vergleich mit ihren Schweizer Mitbewerbenden haben sie jedoch mit zusätzlichen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen. Denn vielfach werden ihre beruflichen Kompetenzen und ihre im Herkunftsland erworbenen Diplome bei uns nicht anerkannt. Fremd klingende Namen in Bewerbungsschreiben haben es bei den Personalverantwortlichen oft schwerer als solche von Herrn Meier und Frau Müller.

Die Schweizerische Flüchtlingshilfe, das Bundesamt für Migration und das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge machen sich deshalb dafür stark, dass Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene eine Beschäftigung haben, dass ihre Abschlüsse anerkannt werden und dass sie eine Perspektive erhalten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Auch Kinder von Flüchtlingsfamilien sollen ungehinderten Zugang zu Bildung bekommen und zum Beispiel eine Berufslehre absolvieren können. Flüchtlinge brauchen unser Engagement, damit sie ihre Kompetenzen, ihre Motivation, ihre Lernfähigkeit und ihre Lebenserfahrung einbringen können und eine echte Chance erhalten, vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden.

Vorurteile abbauen

Anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene stossen in der Schweiz immer wieder auf Vorurteile. Sie haben zwar nicht dieselben Startchancen, jedoch von Beginn an dieselben Verpflichtungen wie Schweizerinnen und Schweizer: Sie zahlen Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und müssen teilweise auch frühere Beiträge der Sozialhilfe zurückerstatten.

Dennoch hält man ihnen immer wieder vor, sie seien unechte Flüchtlinge, die bloss vom Sozialsystem der Schweiz profitieren wollten. Das ist ein leider immer noch weit verbreitetes Vorurteil. Es verflüchtigt sich schnell, wenn man sich auf Flüchtlinge und ihre Schicksale einlässt, zu verstehen versucht, was es bedeutet, sich in ständiger Lebensgefahr zu befinden, seine Liebsten zu verlieren und auf eine neue Existenz in der Fremde zu hoffen. Die SFH, das BFM und das UNHCR leisten hier einen wichtigen Beitrag, diese Vorurteile abzubauen und den Prozess der Integration auf allen Ebenen zu fördern.

Wie können Sie handeln?

Besetzen Sie als Arbeitgeber Praktikums-, Lehr- und Arbeitsstellen gezielt mit Flüchtlingen (mit B- oder C-Bewilligung) oder vorläufig Aufgenommenen (Status F). Vernetzen Sie sich in der Nachbarschaft, engagieren Sie sich in Quartierprojekten und Vereinen und laden Sie Ihre ausländischen Nachbarn dazu ein. Unterstützen Sie unabhängige Organisationen wie die Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH, die sich für die Rechte und Anliegen der Flüchtlinge einsetzen und Integrationsprogramme fördern.

Porträts

Zwei Flüchtlinge erzählen von ihrem beruflichen und sozialen Werdegang in der Schweiz:

Bibiche Olenda Kukulu

Bibiche Olenda Kukulu stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und lebt seit 1999 mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Schweiz. Sie arbeitet als Pflegehelferin in einem Altersheim. Ihre Heimat mussten sie und ihre Familie wegen des Krieges verlassen. «Meine grosse Familie und das gemeinschaftliche Leben im Kongo fehlen mir sehr. Hier in der Schweiz muss man alleine zurechtkommen. Ich mag hingegen die Ruhe und die Sicherheit in diesem Land. Und ich schätze es sehr, dass ich hier ein neues Leben aufbauen kann.» Die Kälte jedoch und die unausgesprochenen Vorurteile wegen ihrer Hautfarbe machten ihr manchmal zu schaffen. «Ich versuche, nicht darauf zu achten», sagt sie. Seit ihrer Kindheit träumt sie davon, als Busfahrerin einen grossen öffentlichen Bus zu steuern oder Krankenschwester zu werden.

Gasim Nasirov

Gasim Nasirov flüchtete 2003 aus Aserbaidschan in die Schweiz. Der Erdölingenieur musste sich in Bern ein neues Leben aufbauen. Er büffelte Deutsch. «Die Sprache ist das A und O, um in einem fremden Land Fuss zu fassen», zeigt sich der 44-Jährige heute überzeugt. Mittlerweile ist er interkultureller Übersetzer und eidgenössisch diplomierter Migrationsfachmann. Doch damit nicht genug: Gasim Nasirov präsidiert den von ihm gegründeten Kulturverein für Aserbaidschaner in der Schweiz. Er ist Co-Autor des Integrationskonzepts 2011 der Flüchtlingshilfe der Heilsarmee sowie Leiter mehrerer Projekte im Bereich Integrationsförderung. Für den Kurs «Vater sein in der Schweiz» erhielt Gasim Nasirov 2011 den Integrationspreis der Stadt Bern. Auch engagiert sich der Vater von zwei Kindern im SFH-Bildungsteam.