Flüchtlingstage 2010

Der Tag des Flüchtlings thematisiert am 19. Juni 2010 die berufliche Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Ziel der Kampagne ist es, den Zugang der Flüchtlinge zu Berufsbildung und Arbeitsmarkt zu verbessern.

Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene leben mit einer langfristigen Aufenthaltsperspektive in der Schweiz und sind potenzielle und motivierte Arbeitnehmerinnen und -nehmer. Sie besitzen viele Talente und Fähigkeiten – diese gilt es zu nutzen.

Deshalb will die aktuelle Sensibilisierungskampagne der Schweizerischen Flüchtlingshilfe SFH – in Partnerschaft mit dem Bundesamt für Migration (BFM) und dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR – den Zugang von Flüchtlingen zu Berufsbildung und Arbeitsmarkt verbessern sowie deren Erwerbstätigkeit und Selbstständigkeit fördern.

Video zur Kampagne: Berufliche Integration fördern

Bildung und Arbeit auch für Flüchtlinge

Flüchtlinge mussten alles zurücklassen – ausser ihrem Talent. Sie bringen Fähigkeiten mit und verdienen eine Chance, sich in der hiesigen Arbeitswelt zu bewähren. Zum Gewinn für uns alle.

Der Einstieg ins Berufsleben ist für niemanden einfach. Fachliches Know-how, Sachkenntnisse und Berufsroutine – Qualifikationen, welche die Position der Arbeitnehmenden auf dem gegenwärtig angespannten Arbeitsmarkt wesentlich verbessern – erwirbt man sich in der Ausbildung und nach und nach mit wachsender Berufserfahrung.

Flüchtlinge haben oft zusätzliche Hürden zu überwinden: die Verarbeitung einschneidender, traumatischer Erlebnisse wie Krieg, Folter oder sexuelle Gewalt, soziale und kulturelle Unterschiede sowie Sprachschwierigkeiten. Auch Vorurteile und Diskriminierungen machen es ihnen schwer, einen für sie geeigneten Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu finden.

Individuelle Begleitung

Besonders wichtig ist deshalb eine spezifische Beratung und Begleitung der Flüchtlinge, die über die übliche Unterstützung der Sozialdienste und der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) hinausgeht: zum Beispiel Sprachkurse und den besonderen Bedürfnissen der Flüchtlinge angepasste Lern- und Stützangebote.

Neben der Arbeit der Integrationsfachstellen ist der Einsatz von freiwilligen Mentorinnen und Mentoren bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt besonders hilfreich und Erfolg versprechend. Das können beispielsweise Fachkräfte im Ruhestand sein, die den Flüchtlingen dank ihrer Kenntnisse, Erfahrungen und Beziehungen wertvolle Tipps geben und die entscheidenden Türen öffnen können.

Auch Arbeitgebende profitieren von der Arbeit dieser Freiwilligen, weil deren Einsatz mit der Anstellung von Flüchtlingen nicht endet, sondern so lange weiter geht, bis die Integration der neuen Mitarbeitenden in den Betrieb vollzogen ist – eine positive Erfahrung für alle Beteiligten.

Porträts

Verschiedene Flüchtlinge erzählen von ihrem beruflichen Werdegang in der Schweiz:

Dara Sadun

Dara Sadun, politisch verfolgter Kurde, flüchtet 2003 als 21-Jähriger aus Syrien in die Schweiz. Er bemüht sich intensiv um eine Lehrstelle als Coiffeur – ohne Erfolg. 2004 erhält er eine Aufenthaltsbewilligung als vorläufig aufgenommener Flüchtling.

Im Jahr darauf findet er mit der Unterstützung eines Integrationszentrums eine Lehrstelle in seinem Wunschberuf. Seit 2009 führt er einen eigenen Salon.

Dara Sadun nennt drei Schlüsselfaktoren für eine gelungene Arbeitsintegration: gute Sprachkenntnisse, eine Portion Hartnäckigkeit sowie ein tragendes soziales Netz.

Ngoc-Thuy-Trang Nguyen

Ngoc-Thuy-Trang Nguyen kommt 1975, kurz vor Beendigung des Vietnamkriegs, als 10-Jährige mit ihrer Familie in die Schweiz. Nach der Schule absolviert sie eine Ausbildung als Laborantin. 1978 wird sie als Flüchtling anerkannt und sechs Jahre später eingebürgert.

Die zweifache Mutter nimmt Aufträge als Dolmetscherin an und bildet sich zur Interkulturellen Übersetzerin weiter. Nebst den zwei Berufen engagiert sie sich in der katholischen Vietnamesen-Mission. 

Ngoc-Thuy-Trang Nguyen ist davon überzeugt, dass persönlicher Einsatz und solide Sprachkenntnisse die berufliche Integration ermöglichen.

Tarig Abdalla

Tarig Abdalla gelangt 1997 als politischer Flüchtling aus dem Sudan in die Schweiz. Er lebt vier Jahre in der Ungewissheit, bis er 2001 als Flüchtling vorläufig aufgenommen wird. Im selben Jahr beginnt er ein berufsbegleitendes Informatikstudium an der Berner Fachhochschule. Während seines Abendstudiums sammelt er erste Arbeitserfahrung bei einer Informatikfirma.

Nach der Ausbildung ist Tarig Abdalla nur für kurze Zeit stellenlos. Mithilfe eines Vermittlungsbüros findet er einen Praktikumsplatz in einem Informatikunternehmen. Ein erfolgreicher Berufseinstieg: Das Unternehmen stellt ihn 2006 fest an.

Tarig Abdalla identifiziert vier entscheidende Faktoren für die berufliche Integration: gute Kenntnisse einer Landessprache, die gezielte Begleitung durch Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, der Besitz eines anerkannten Berufsdiploms sowie – nicht zuletzt – viel Durchhaltewille.

Pétronie Nkusu

Pétronie Nkusu stammt aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Sie ersucht 1999 im Alter von 14 Jahren in der Schweiz um Asyl und wird vorläufig aufgenommen.

In den folgenden Jahren vervollständigt Pétronie Nkusu ihre Schulbildung und bereitet sich auf eine Berufslehre vor. 2004 absolviert sie eine zweimonatige Ausbildung als Pflegerin beim Roten Kreuz. Dank dem Verein Profora Bejune kann sie eine halbjährige Ausbildung an der Krankenpflegeschule Delémont und ein Praktikum in einem Altersheim machen. Das Heim stellt sie danach fest an.

«Ich bin eine Kämpferin. Auf dem Berufsweg braucht es einen starken Willen, viel Geduld, Mut und Ausdauer», findet Pétronie Nkusu selbstbewusst. In der Zwischenzeit hat sie ihr zweites Kind geboren. Heute ist sie zu 80 Prozent berufstätig, ihre Kinder werden von einer Tagesmutter betreut.

Pétronie Nkusu hat vor, die Ausbildung als Fachangestellte Gesundheit in Angriff zu nehmen und mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abzuschliessen.