Foto: UNHCR/Johan Bävman

6. Asylsymposium

«Auf dem Weg zur Integration: Von Schutz zu Teilhabe» lautet der Titel des 6. Asylsymposiums am 21./22. Januar 2016 in der Bernexpo, Bern.

Die sechste Auflage des Symposiums widmet sich der Frage, welche Wege schutzbedürftigen Personen zur Integration in der Schweiz offenstehen. Der Begriff der Integration wird dabei als ein umfassender verstanden. Dementsprechend sollen im Rahmen der Tagung diverse Aspekte der Integration behandelt werden, vom physischen Zugang zu Schutz über Fragen der Aufnahme, des Verfahrens und der Schutzgewährung bis hin zu Modellen der gesellschaftlichen Teilhabe. Ein Schwerpunkt soll auf die Diskussion zukunftsträchtiger und zukunftsfähiger Ansätze in diesem Bereich gelegt werden.

Eine Vielzahl von Krisenherden in verschiedenen Weltregionen, deren Ende sich aktuell in keiner Weise abzeichnet, prägen Asylpolitik und Asylverfahren. Die stark gestiegene Schutzquote rückt die Frage der Integration von schutzbedürftigen Personen in den Vordergrund. Noch nie befanden sich gemäss den Angaben von UNHCR so viele Personen auf der Flucht wie heute und noch nie lebte – trotz gestiegener Antragszahlen auch in Europa – ein so hoher Anteil an Flüchtlingen in Entwicklungsregionen ohne Aussicht auf Integration vor Ort. In den meisten europäischen Staaten ist die Anzahl der schutzsuchenden Personen sogar stärker im Steigen begriffen als in der Schweiz, die Anerkennungsquoten sind praktisch durchgehend hoch und es ist absehbar, dass viele der asylsuchenden Personen langfristig Schutz benötigen. Mit den Folgen umzugehen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Asylpolitik und -praxis von Bund, Kantonen und Gemeinden.

Die bereits am 4. und 5. Asylsymposium zentral diskutierte Frage der Glaubwürdigkeit der Schweizerischen Asylpolitik stellt sich daher aktuell insbesondere hinsichtlich der Integrationsmöglichkeiten, welche schutzbedürftigen Personen geboten werden. Neben einer fairen, effizienten und hochwertigen Schutzgewährung erweist es sich folglich als sinnvoll und notwendig, schutzbedürftigen Personen von Beginn an wirksame Integrationsoptionen zu bieten. Nur auf diese Weise können sowohl Glaubwürdigkeit als auch Nachhaltigkeit des Schweizer Asylsystems gewährleistet werden. Eine solche Herangehensweise ist aber auch aus gesellschaftlichen Gesichtspunkten von grösster Bedeutung, da nur bei einer nachhaltigen Akzeptanz in der Bevölkerung der Asylbereich seiner Schutzfunktion nachkommen kann.

Hier setzt das 6. Schweizer Asylsymposium an. Im Rahmen des Symposiums soll die Frage der Integration aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. Integration wird dabei als umfassender und fortlaufender Prozess verstanden, der bereits vor der eigentlichen Schutzgewährung beginnt: Thematisiert werden soll in diesem Zusammenhang eine weite Palette von Aspekten der Integration, welche von den Möglichkeiten des physischen Zugangs zu Schutz und Integration über die eigentliche Aufnahme von schutzbedürftigen Menschen, das Asylverfahren und die Schutzgewährung bis hin zu Modellen der gesellschaftlichen Teilhabe von schutzbedürftigen Menschen reichen. Der Vielschichtigkeit des Themas soll auch dadurch Rechnung getragen werden, dass verschiedene Ebenen – international, regional, national und kantonal – miteinbezogen werden und Akteure aus diversen Gesellschaftsbereichen zu Wort kommen sollen.

Programmschwerpunkte

Das Asylsymposium wird eineinhalb Tage dauern und sowohl Referate als auch Plenardiskussionen und Workshops umfassen. Folgende thematische Schwerpunkte sind vorgesehen:

Tag 1 – Integration im globalen Kontext

Am ersten Tag sollen insbesondere Aspekte thematisiert werden, welche über den Schweizer Kontext hinausgehen. Dabei sollen in einem ersten Schritt die Fluchtrouten und die Möglichkeiten der schutzbedürftigen Personen, physische Sicherheit zu erreichen, beleuchtet werden. Im Zentrum stehen neben den Optionen der Schutzsuchenden unter anderem auch die Pflichten und Handlungsmöglichkeiten, welche sich für die Staaten generell und für die Schweiz speziell ergeben. Ebenso soll die Sicht des Bundes auf Integration präsentiert werden. Wo werden aus einer Bundesperspektive Ansatzpunkte geortet? Welche Rolle soll der Bund in Bezug auf die Integration von schutzbedürftigen Personen übernehmen? Folgend auf eine umfassende Diskussion des Begriffs der Integration soll dargelegt werden, inwiefern der Zugang zu Schutz und Integration von betroffenen Menschen auch durch die Tätigkeit der Schweiz in den Herkunfts- oder Transitländern gefördert werden kann. Die Fragen der Gewährung des Zugangs zu Schutz und Integration sowie der Verantwortung der Staaten soll gerade auch in Bezug auf den europäischen Kontext eingehend untersucht werden. Gleichzeitig soll der praktische Bezug durch den Blick auf die konkrete Arbeit, die bereits getan wird, hergestellt werden.

In den Workshops in der zweiten Tageshälfte werden spezifische Themen herausgegriffen und vertieft. Ziel ist es, bisherige Ansätze in Bezug auf die möglichen Wege von schutzbedürftigen Personen zur Integration in der Schweiz und Europa zu erläutern, sowie Verbesserungsmöglichkeiten und Lösungsansätze zu entwickeln. Die Workshops reichen auch in die Themen des zweiten Tages hinein und decken auch ergänzend weitere aktuelle Themenaspekte der Asylpolitik und -praxis ab.

Tag 2 – Integration im Schweizer Kontext

Am zweiten Tag stehen verschiedene Komponenten des Integrationsprozesses von schutzbedürftigen Personen innerhalb der Schweiz im Fokus des Asylsymposiums. Mögliche Auswirkungen der Neustrukturierung des Asylbereichs und der damit einhergehenden Verfahrensbeschleunigung auf die Integration sollen thematisiert werden. Inwiefern öffnen sich diesbezüglich neue Möglichkeiten und wie können diese effektiv genutzt werden? Weiter sollen der Einfluss der Rechtstellung von schutzbedürftigen Menschen auf deren Integration untersucht und diesbezügliche Probleme sowie Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Unter die Lupe genommen werden soll in diesem Zusammenhang insbesondere die vorläufige Aufnahme. Dieser Status, welcher sich in Bezug auf die Integration in verschiedener Hinsicht als besonders problematisch herausgestellt hat, soll durch Rechtsvergleiche und Perspektiven aus Politik, Wissenschaft und Praxis debattiert werden. Die Kantone stellen in der Schweiz besonders wichtige Akteure im Bereich der Integration dar. Deshalb soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, ihre Sichtweise auf die verschiedenen Aspekte der Integration im Rahmen des Asylverfahrens und nach der Anerkennung zu präsentieren. An der abschliessenden Podiumsdiskussion sollen VertreterInnen aus den verschiedensten Bereichen, von der Wissenschaft über die Zivilgesellschaft bis hin zur Politik, zu Wort kommen. Die unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen sollen eingebracht, kontrastiert und verschränkt werden, um gemeinsam einen Schritt weiter in Richtung einer glaubwürdigen und nachhaltigen Schweizer Integrationspolitik zu machen.

Das detaillierte Programm und das Anmeldeformular finden Sie hier