Porträts von Flüchtlingen
Drei Flüchtlinge erzählen von ihrem beruflichen und sozialen Werdegang in der Schweiz:
Tesfaye Eticha
Tesfaye Eticha flüchtete 1998 aus dem von Krisen und Kriegen zerrütteten Äthiopien in die Schweiz – und tat hier, was er im äthiopischen Hochland auf dem Weg zur fünf Kilometer entfernten Schule täglich gemacht hatte: Er rannte. Mit Erfolg. Tesfaye Eticha ist hierzulande zu einem der siegreichsten Marathonläufer geworden. Er ist mehrfacher Lausanne-, Jungfrau-, Genf- und Zürich-Marathon-Sieger. Kaum ein Schweizer Langstreckenlauf, den der mittlerweile 37-Jährige nicht schon gewonnen hätte. In der Schweiz ist er – auch dank der begeisterten Unterstützung seines Umfeldes – zu Bestform gelaufen. Jetzt träumt Tesfaye Eticha vom Schweizer Pass. Mit diesem in der Tasche könnte er seine neue Heimat 2012 an den Olympischen Spielen in London vertreten.
Farida Nosha
Farida Nosha, von der Herkunft her Tatarin, flüchtete 1990 vor einem blutigen ethnischen Konflikt aus Südkirgisistan und traf 1992 in der Schweiz ein. Hier musste sich die Bauingenieurin erst einmal damit abfinden, dass sie in der Schweiz nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten konnte: Weder ihre Ausbildung noch ihre Diplome wurden anerkannt. Wie so viele Flüchtlinge musste sich Farida Nosha ein völlig neues Leben aufbauen. Heute ist die mittlerweile 51-jährige alleinerziehende Mutter interkulturelle Übersetzerin, Dolmetscherin und Erwachsenenbildnerin – und hat bereits ein neues Projekt ins Auge gefasst: Sie möchte Slawistik und Geschichte studieren, um den Menschen in der ehemaligen Sowjetunion die Vorzüge der Demokratie vermitteln zu können.
Demë Jashari
Als Journalist und Intellektueller kämpfte Demë Jashari im Kosovo für das Recht auf seine Kultur und auf seine Sprache. 1989 flüchtete er vor einem drohenden Gefängnisaufenthalt in die Schweiz. Seine Berufung und seinen Beruf musste Jashari an der Grenze zurücklassen. «Als ich in der Schweiz ankam, war ich gar nichts mehr», sagt der 53-Jährige. Er verdingte sich als Handlanger in Kantinen und auf Baustellen. Bis ein Berufsunfall, gefolgt von einem Verkehrsunfall, körperliche Arbeit verunmöglichten. Doch Jashari hat sich nicht entmutigen lassen. Als Übersetzer und interkultureller Vermittler hat er einen Weg gefunden, von seiner Lebenserfahrung und seinen Sprachkenntnissen zu leben, und zieht daraus – wie er selbst sagt – die Befriedigung, etwas Nützliches zu tun.











