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Fakten statt Vorurteile

Die Sensibilisierungskampagne anlässlich des Flüchtlingstages 2009 soll dazu anregen, über Vorurteile, die nicht nur am Stammtisch, im Tram oder beim Einkaufen zu hören sind, nachzudenken. Drei oft gehörte Vorurteile sind:

Vorurteil 1: «Das sind doch alles Lügner.»

Plakatsujet 2009Behauptung: Durch Lügen wird das Recht auf Asyl erschlichen.

Fakten: Haben Sie heute schon Nachrichten gesehen? Kriege, Hunger und unvorstellbares Leid finden in vielen Ländern dieser Welt nicht in der Tagesschau statt, sondern sind alltägliche Realität. Millionen sind betroffen, nur wenigen Menschen gelingt die Flucht aus der Hoffnungslosigkeit.

Ein Blick in die Statistiken der wichtigsten Herkunftsländer von Asylsuchenden zeigt, dass es sich durchwegs um Staaten handelt, in denen entweder Kriege oder Bürgerkriege herrschen, in denen die Menschenrechtssituation extrem schlecht, oder der Staat praktisch inexistent ist und seine Bürgerinnen und Bürger nicht schützen kann. Es überrascht nicht, dass Menschen gerade aus diesen Ländern fliehen. Im Jahre 2008 kamen die meisten Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia, dem Irak, Serbien, Sri Lanka, Nigeria, der Türkei, Afghanistan und dem Iran sowie Georgien.

Im vergangenen Jahr entschied das Bundesamt für Migration in zwei Drittel aller Fälle, dass die Betroffenen zu Recht den Schutz der Schweiz gesucht haben. Entweder wurde diesen Menschen Asyl gewährt, oder eine vorläufige Aufnahme, weil sie vor einem Bürgerkrieg flüchteten, oder in ihrem Heimatland eine Situation allgemeiner Gewalt herrschte. Bei den übrigen 35 Prozent bedeutet die Ablehnung des Gesuchs nicht, dass sie gelogen haben, sondern dass die vorgebrachten Gründe nicht für ausreichend angesehen werden. Wie in jedem Rechtsverfahren kann man auch im Asylverfahren Recht bekommen oder unterliegen.

Über die Fluchtgründe Auskunft zu geben, fällt vielen Asylsuchenden sehr schwer. Das Verfahren zwingt sie, nochmals im Detail über erlittene Gewalt, Erniedrigung, Folter oder Vergewaltigung zu berichten. Laut einer deutschen Studie sind über 40 Prozent aller Asylsuchenden traumatisiert. Gerade Folter- oder Vergewaltigungsopfer können jedoch nicht schon zu Beginn des Verfahrens über das Erlebte sprechen, sei es aus Angst, Scham oder Traumatisierung. Oft sind ihre Angaben zunächst widersprüchlich. In vielen Fällen führt erst die Unterstützung durch psychologische Fachkräfte zur Klärung von Widersprüchen oder zu einer verständlichen Darstellung. Diese Personen sind jedoch keine Lügner sondern Gewaltopfer die Verständnis und Unterstützung brauchen.

Weiterführende Informationen:

Vorurteil 2: «Das sind doch alles Dealer.»

Plakatsujet 2009Behauptung: Asylsuchende sind doch alles Dealer.

Fakten: Die allermeisten Asylsuchenden sind keine Drogendealer und die meisten Drogendealer sind keine Asylsuchenden. Gemäss einer Statistik der Kantonspolizei Zürich gab es 2008 weniger als  50 afrikanische Tatverdächtige aus dem Asylbereich. Gegenüber 2004 mit knapp 200 Tatverdächtigen bedeutet dies einen Rückgang um 75 Prozent. 92 Prozent der ausländischen Tatverdächtigen sind niedergelassen (Bewilligung C) oder haben eine Aufenthaltsbewilligung B.

Asylgesuche von Personen, die mit dem Gesetz in Konflikt kommen, werden prioritär behandelt. Kriminelle werden bei negativem Ausgang ihres Asylverfahrens so schnell als möglich ausgeschafft. Im Übrigen haben die Strafbestimmungen unseres Strafgesetzbuches für Asylsuchende die gleiche Gültigkeit wie für alle anderen Personen.

Die Behauptung, alle Asylsuchenden seien Drogendealer und Kriminelle, ist sachlich falsch und für die Betroffenen verletzend und entwürdigend.

Weiterführende Informationen: Statistik der Kantonspolizei Zürich zu Tatverdächtigen im Betäubungsmittelhandel (2007, pdf)

Vorurteil 3: «Das sind doch alles Profiteure.»

Plakatsujet 2009Behauptung: Asylsuchende kommen nur in die Schweiz, um Sozialleistungen zu kassieren.

Fakten:  Wer sein Heimatland aus Not verlässt, sein letztes Geld in die Reise nach Europa investiert und völlig mittellos in der Schweiz ankommt, ist zwangsläufig zunächst auf Hilfe angewiesen.

Das Leben als Asylsuchender in der Schweiz ist jedoch beileibe kein Zuckerschlecken. Die Unterstützung ist minimal, sie liegt bis zu 60 Prozent unter dem Sozialhilfeansatz für Schweizerinnen und Schweizer. Asylsuchende erhalten oft Sachleistungen und werden in Kollektivunterkünften ohne jegliche Privatsphäre und Beschäftigungsmöglichkeiten untergebracht.

In den ersten drei bis sechs Monaten unterliegen Asylsuchende einem Arbeitsverbot. Wenn es ihnen danach gelingt, eine Arbeitsbewilligung zu erhalten, so stehen ihnen nur Jobs im Gast- und Baugewerbe, im Pflegebereich, in der Reinigung und in der Land- und Forstwirtschaft offen. In diesen Bereichen ist der Lohn niedrig und die Arbeit oft sehr hart.

Asylsuchende zahlen Abgaben und Quellensteuern wie alle ausländischen Arbeitnehmer. Zusätzlich müssen sie noch eine Sonderabgabe leisten: Bis zu zehn Prozent des Lohnes werden à fonds perdu bis zu einem Betrag von 15'000 Franken abgezogen für die Kosten des Asylverfahrens, der Sozialhilfe und der allfälligen Wegweisung.

Sobald über das Asylgesuch negativ entschieden wurde, verlieren Asylsuchende ihre Arbeitsbewilligung. Sie erhalten keine Sozialhilfe mehr sondern auf Antrag hin nur noch Nothilfe, die das nackte Überleben sichern soll. Diese Nothilfe besteht in der Regel aus Sachleistungen im Werte von acht Franken pro Tag, für Kinder liegt der Ansatz noch wesentlich tiefer.

Weiterführende Informationen: SFH: Nothilfe im Asylbereich, Einzelschicksale und Überblick über die kantonale Praxis (August 2006, pdf)

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