Porträts von Flüchtlingen
Wir stellen Ihnen vier Flüchtlinge vor:
Hailu Gizaw aus Äthiopien
Der 51-jährige Hailu Gizaw kommt 2002 aus Äthiopien in die Schweiz. Aus politischen Gründen und wegen Stammeswirren muss er Frau und zwei Kinder zurücklassen und seinen Beruf als Berater im Bereich Landwirtschaft aufgeben. Er vermisst seine Familie sehr.
Heute wohnt Hailu Gizaw am Jura-Nordfuss. Seine Stelle verliert er wegen eines Arbeitsunfalls. Auf die eigene Wohnung ist er stolz. Und Hailu Gizaw ist froh, einen F-Ausweis erhalten zu haben, der ihm eine vorläufige Aufnahme in der Schweiz gibt.
Erfahrungen mit Diskriminierungen halten sich im Alltag von Hailu Gizaw zum Glück in Grenzen. Bei der Stellen- oder Wohnungssuche wird ihm aber bewusst, dass seine schwarze Hautfarbe bei Arbeitgebern oder Vermietern Vorurteile hervorrufen kann. Damit kommt er aber klar: Auf Fremde werde halt eher verhalten reagiert, meint er.
Seine heutige Situation – ohne Familie hier zu sein und keine Stelle zu haben – belastet Hailu Gizaw sehr, auch wenn es ihm hier gefällt und er sich gut integriert fühlt. Für die Zukunft hofft er, bald eine Stelle zu finden. Sein grösster Traum ist aber, mit seiner Familie geeint in der Schweiz zu leben!
Thiêng Ly-Dinh aus Vietnam
Unter abenteuerlichen Umständen verlässt Thiêng Ly-Dinh 1978 ihre Heimat, um der staatlichen Repression zu entgehen. In der Schweiz baut sie ihr Leben neu auf, gründet eine Familie und bildet sich zur Sozialarbeiterin und Mediatorin weiter.
Mittlerweile kennt Thiêng Ly-Dinh die Schweizer Mentalität bestens. Anfangs sei sie mit offenen Armen aufgenommen worden, sagt sie. Später ändert sich das. Sie lernt auch Ablehnung und Mobbing kennen.
Thiêng Ly-Dinh betrachtet die Schweiz als ihre zweite Heimat. Aus beiden Kulturen schöpft sie Kraft. Ihre Agenda ist reich befrachtet. Als selbstständige Mediatorin und Sozialarbeiterin sowie als kinderbetreuende Grossmutter ist sie stets gefordert. Höhepunkte in ihrem Jahreslauf sind Reisen zurück in ihre Heimat, wo sie als Reiseleiterin Touristinnen und Touristen die Kultur von Vietnam näherbringt.
Farhad Manbary aus Iran
Farhad Manbary stammt aus Iran. In den 1980er-Jahren verbringt der Angehörige der kurdischen Minderheit wegen seines politischen Engagements sieben Jahre im Gefängnis und erlebt Folter. Familienmitglieder werden von islamistischen Kämpfern getötet. Er flüchtet nach Irak und gelangt 1995 in die Schweiz. Zwei Jahre später kommt seine Frau nach. Farhad Manbary findet dank seiner Ausbildung im Elektrobereich Arbeit in der Schweiz.
Es ist ihm wichtig, selber für den Lebensunterhalt seiner Frau und seiner zwei Kinder aufzukommen. Farhad Manbary spürt die Vorbehalte der Schweizer Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen. Um dem entgegenzutreten, versucht er, sich möglichst gut zu integrieren. Er wünscht sich psychische, politische und finanzielle Sicherheit in seiner neuen Heimat Schweiz.
Hozan Muhamed aus Irak
Als Angehörige der kurdischen Minderheit in Irak wird Hozan Muhamed von Saddam Husseins brutalem Regime verfolgt. Im Alter von 14 Jahren flüchtet sie mit ihrer Familie in die Schweiz. Sie besucht die Schule, findet aber nach dem zehnten Schuljahr keine Lehrstelle. Weil ihre Familie nur vorläufig aufgenommen ist, muss Hozan Muhamed jederzeit damit rechnen, nach Irak zurückgeschickt zu werden – ein zu grosses Risiko für einen Lehrbetrieb.
Die einzige Möglichkeit, dennoch ihren Traumberuf zu erlernen, ist eine private Coiffeurfachschule, die sie dank der Unterstützung der SFH besuchen kann. Nach eineinhalb Jahren erhält sie aufgrund ihrer guten Leistungen eine Lehrstelle im selben Ausbildungszentrum. Heute ist sie im zweiten Ausbildungsjahr, spricht perfekt Hochdeutsch und zählt viele Schweizerinnen und Schweizer zu ihrem Freundeskreis.
Tipp: Schweizer Fernsehen, Sendung «mitenand» mit Hozan Muhamed, ausgestrahlt am 7. Juni 2009.
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